Abb. 4. Gestützte Linde am Auschänkberg bei Olbernhau

Die Höhe ist erreicht, und der Weg geht nun ebener dahin. Hier, etwas abseits von der Straße, stand bis vor wenigen Jahrzehnten eine uralte Tanne, in deren Rinde ein Jagdhorn eingeschnitten war, und die darum den Namen Hörneltanne führte. Weithin, erstaunlich weit, war sie als Landmarke bekannt. Und wie schön waren doch solche Landmarken mit lebendigen Namen! Wie viel schöner klangen die alten Bezeichnungen der Forstorte »an der Hörneltanne«, »am Hirschbad«, »am tiefen Graben«, als heute die nüchternen Benennungen »Abteilung 47« oder »73«. Daß Heimatliebe und Forscherdrang heute diese alten Forst- und Flurnamen sammelt, und ein reiches Material sich im Dresdner Hauptstaatsarchiv häuft, muß der Heimatfreund bei der zunehmenden Ernüchterung unserer Tage dankbar begrüßen.

Wiesenschlingen öffnen sich rechts und links, das Waldbild belebend. Noch einmal steigt der Weg sanft an, dann neigt er sich langhin zu Tal. Es ist wieder das Tal der Biela, deren großen Bogen wir abgeschnitten haben, und deren Lauf in der weithin sich streckenden Senkung nach Sayda hinauf wir wie aus der Vogelschau verfolgen können. Und schon grüßt vom fernen Höhenkamm die Stadt Sayda mit ihren beiden charakteristischen Türmen.

Abb. 5. Alter Buchenbestand im Pfaffrodaer Forst

Aber wir folgen der Straße abwärts und über dem Wald taucht das Schloß Pfaffroda auf, dessen fünf spitze Giebel über die Bäume des Parkes lugen. Inmitten des Gehöftes liegt, das hohe Alter der Siedlung kennzeichnend, die Kirche; die Haube ihres Turmes zeigt die für Sachsen nicht häufige Zwiebelform und schimmert kupfergrün herüber. Wie der Name sagt, sind es Mönche gewesen, die hier den Wald gerodet haben, Zisterzienser von Ossegg, die es als heilige Aufgabe betrachteten, das Land urbar zu machen, daß es dem Menschen Brot gäbe. Als dann im dreizehnten Jahrhundert der Landstrich an die Markgrafen von Meißen kam, wurden ihre Vasallen hier seßhaft, und seit 1352 sind es die Herren von Schönberg. Bis 1650 war Pfaffroda ein Teil der Purschensteiner Herrschaft, dann zwang die durch den Dreißigjährigen Krieg eingetretene Verarmung zur Teilung des Besitzes, und ein Vetter des Purschensteiners wurde hier heimisch: Georg Friedrich, der Vater Caspars, den wir als Gründer der Neuschönbergischen Dörfer kennengelernt haben. Dieser Stifter der Pfaffrodaer Linie hat freilich kaum hier wohnen können. Sein Amt als Oberberghauptmann hielt ihn in Freiberg fest. Und während er 1643 im Verein mit Georg v. Schweinitz und Jonas Schönlebe die Stadt Freiberg gegen den brandenden Ansturm der Schweden verteidigte, steckten diese hier das Schloß in Brand.

Zeichnung des Verfassers

Abb. 6. Schloß Pfaffroda