Abb. 11. Kirchturm von Sayda mit dem alten »Plan«

Achtet man übrigens auf die Vegetation, dann wird einem klar, daß zwischen hier und Olbernhau ein Klimaunterschied von gut vier Wochen besteht. Wenn z. B. in Olbernhau schon Anfang Juni die Rosen blühen, so erschließen sie sich hier oben erst Mitte Juli; und so ist es auch im Herbst mit der Feldernte, die gar oft unter dem Schnee hervor geborgen werden muß. –

Abb. 12. Sayda. Hospital St. Johannis

In einer Talschlinge mit weitem Fernblick nach Süden liegen idyllisch zwei Teiche, die sogenannten Schwemmteiche, – ein Ziel, das im Sommer zahlreiche Menschen anlockt. Der Weg steigt wieder an, und hinter einer Biegung taucht ein altes Gebäude von seltsam großen Ausmaßen auf, das sogenannte Große Vorwerk. Auf einem mächtigen steinernen Unterbau erhebt sich ein schönes Fachwerkgeschoß, und friesartig laufen um die Mauern eigenartige Putzornamente vom Ende des 16. Jahrhunderts. Merkwürdigerweise ist das alte Gehöft immer von feindlichen Zerstörungen verschont geblieben.

Aus dem Grunde des weiten Tales, das sich nun aufgetan hat, grüßen die charakteristischen drei Türme des Schlosses Purschenstein. Schon von ferne kann man die zweckmäßige Anlage solcher alten Sitze erkennen: Im Grunde eines weiten Talkessels auf einem dort aufsteigenden Felsrücken errichtet, liegen sie einerseits so hoch, daß sie gegenüber den Fernwaffen der damaligen Zeit durchaus gesichert waren, andererseits aber so tief, daß die rauhen Stürme des Winters von den Höhenzügen abgehalten werden.

Abb. 13. Das »große Vorwerk« von Purschenstein

Ein uralter fester Ort ist dieses Purschenstein. Seinen Namen, ursprünglich Borsenstein, hat es von dem Ritter Borso von Riesenburg, der als Schutzherr des Klosters Ossegg gleichzeitig mit den Zisterziensern über den Gebirgskamm zog und während diese weiter westlich die Siedlung Pfaffroda anlegten, hier sein festes Schloß erbaute. Wie es dann unter den Markgrafen von Meißen an die Familie v. Schönberg kam, ist oben schon erwähnt. Liegen heute auch zahlreiche Nebengebäude um das Schloß, so erkennt man doch noch deutlich den Charakter als äußerst feste Burg: Von der einen Seite ist der steilabfallende Felsrücken durch das Tal der Flöha, auf der anderen Seite durch mehrere künstlich angedämmte Wehrteiche gegen feindliche Angriffe geschützt. Auf der schmalen Nordseite lagerte sich ehemals ein wehrhafter Halsgraben vor, und der südliche Abfall war durch starke Mauern mit zwei jetzt verfallenen Türmen gedeckt. Nicht genug damit, umgab eine dreifache Mauerwehr die eigentliche Burg, und fünf starke Türme, von denen drei noch heute stehen, bildeten feste Verteidigungspunkte. Von der innersten Mauer steht heute noch ein Teil in Gestalt eines bogenförmigen Laubenganges. Ehemals zog sich dieser auf drei Seiten rundherum und war mit einem Wehrgang versehen, während die vierte Seite das Wohngebäude selbst bildete. Und selbst wenn diese fast uneinnehmbare Anlage in Feindeshand gefallen war, konnten sich die Bewohner immer noch in den festen Bergfried zurückziehen, zu dem ein Eingang nur hoch oben, in Höhe etwa einer dritten Etage, führt. Denkt man sich den Zugang zu ihm in Form einer hölzernen Treppe oder Brücke, und diese Brücke dann in äußerster Not weggeschlagen, so konnten hier die Bewohner vor jedem Ansturm sicher sein, solange nicht der Hunger sie zur Übergabe zwang. – Vergegenwärtigt man sich dies, dann erscheint es einem gar nicht verwunderlich, daß sich hier im Dreißigjährigen Krieg, 1643, vierzig schwedische Reiter wochenlang gegen eine starke feindliche Belagerung durch die Kaiserlichen halten und nicht zur Übergabe gezwungen werden konnten.