Zeichnung des Verfassers

Abb. 14. Schloß Purschenstein

Unten im Orte Neuhausen wogt rastlos das Leben der neuen Zeit. Ursprünglich durch die Wasserkraft der Flöha herbeigezogen, hat sich eine lebhafte Industrie entwickelt, und weithin erstreckt sich schon heute der Ort. Darüber erhebt sich im Süden der Gipfel der Schwarte, der schon von Ferne überall auftauchte, und hier, trotz seiner Höhe von siebenhundertachtundachtzig Metern ganz harmlos niedrig erscheint. Schade übrigens, daß wir in Sachsen so oft nichtssagende Benennungen für schöne Landschaftspunkte haben. Die Schwarte ist wirklich ein Gipfel, der mehr hält, als sein prosaischer Name verspricht. In weiten Windungen zieht sich die Straße nach Deutscheinsiedel am Hange empor. Immer spärlicher werden die Häuser, nur ganz vereinzelt kleben sie unter dem kahlen Gipfel des Schwartenberges hingeschmiegt. Links geht es ab nach dem bekannten alten Bade Einsiedel, geradeaus führt der Weg nach dem Zentrum der sächsischen Spielwarenerzeugung, Seiffen und Heidelberg. Wir biegen rechts ab, um mühelos den Gipfel der Schwarte zu erreichen, und im sonnenvergoldeten Abend stehen wir vor einem Heimatbilde von überwältigender Weite und Größe. Unten im Tal streben aus milchig weißen Nebeln die Türme Purschensteins empor. Ganz leise dringt das Hämmern und Pochen des gewerbefleißigen Neuhausen herauf, aber rundum dehnt sich das Bild in feierlichster Stille. Dunkle Höhen, endlos, weltenweit wogend, ruhen in feierabendlicher Verklärung so frei und gelöst, als breiteten sie ihr Innerstes weit geöffnet dem wachenden Auge Gottes dar, und je tiefer die Sonne sinkt, desto goldener wird das Meer der hauchzarten Abendnebel, das die Täler erfüllt. Auf steilem Gipfel im Westen sieht man die ferne Augustusburg als vieltürmige Silhouette herübergrüßen, schwarz steigt der Pöhlberg weiter südlich empor, und selbst der Fichtelberg und Keilberg zeichnen sich mit klaren Linien in die Abendluft.

Auch nach Böhmen hinein öffnet sich weit der Blick, und woran man vor dem Krieg, als ein befreundetes Reich sich hier weithin erstreckte, nie dachte, das kommt einem jetzt plötzlich tief und stark zu Bewußtsein: Grenzland ist hier, und wir stehen wie auf einer Warte, mit deutschen Sorgen und deutschen Pflichten.

Sebnitzer Pestdenkmale

Von Prof. Dr. Alfred Meiche

Aufnahmen des Heimatschutzes

»Erzittre Welt, ich bin die Pest!

Ich komm in alle Lande