Jedem wird klar sein, daß hierdurch auch die Heimatschutzbewegung eine kräftige Unterstützung findet; lernt doch niemand seine Heimat besser kennen und lieben als der, der sie sich in eigener Anschauung erwandert. Noch aber ist es notwendig, wozu der Herbergsverband in einem Aufrufe ermahnt: »Schont Wiesen und Felder, Wald und Strauch! Denn heilig ist das Land und alles, was es trägt.« – Daß dieses bald selbstverständlich sei, dazu helfe uns Heimatschutz und Jugendherberge! Deshalb: Werdet Mitstreiter am großen Werke!

Die Reise nach Sylt

Eine Elbfahrt von Edgar Hahnewald

Mir war es, als wäre ich durch ein Traumland gezogen, ein Traumland, das auf unserer ruhigen Erde keinen Raum hat, von dem einem zarte duftige Bilder vor der Seele stehenbleiben als stille Erinnerungen.

Im rüttelnden Eisenbahnwagen habe ich einen großen Teil dieser Bilder an meiner Seele vorüberziehen lassen und habe alle Unruhe vergessen, den Lärm nicht mehr gehört, sondern ich war entrückt auf einen großen Elbkahn und schwamm die Elbe abwärts, hörte das Wasser gurgeln, raunen, strömen und plätschern, roch den Teergeruch und sah in ewig wechselnder Beleuchtung die auftauchenden und vorübergleitenden Bilder der Stromufer mit ihren Dörfern und Städten, mit ihren Wiesen und Bäumen und Menschen.

Hamburg, die Weltstadt, empfängt uns mit ihren brausenden Akkorden, mit dem gewaltigen Rhythmus ihrer Arbeit und ihrem weltumspannenden Handelsgeist.

Dann sind wir auf Sylt. Nicht das Sylt der Modebäder, der Saison! Nein, das Sylt einsamer Dünen, der rollenden, nagenden Brandung, der rauschenden See, stiller, stolzer, einsamer Menschen, des schimmernden Watts, blauender Himmelsweiten und Wolken, das Sylt, auf dem man im Kommen und Gehen der Wogen, im Wehen und Rieseln des Dünensandes sein eigenes, kleines, unruhiges Ich verliert und als Kind der Allmutter Natur Jahrtausende atmen hört; auf Sylt, der blonden Insel zwischen zwei Meeren.

Wie Hahnewald seine Schilderung beginnt: »Schweres Poltern und Klirren weckte mich,« so riß mich aus dem Traumland seiner wundersamen Bilder und farbenschimmernden Schilderungen das Klirren und Poltern des an meinem Ziele haltenden Zuges. »Wieder hat sich eine Tür hinter mir geschlossen,« schließt er sein Buch, »eine Tür, vor der ich manchmal stehen werde voller Sehnsucht: Dahinter liegt Sylt, die blonde Insel zwischen zwei Meeren.«

Eins weiß ich gewiß: Die Tür zu den Fahrten der Sehnsucht, welche er in seinem Buche geöffnet hat, werde ich noch öfter im Geiste durchschreiten. Nicht spannende Abenteuer oder pikante Reiseerlebnisse sind es, die erschlossen werden, nein, stilles deutsches Land, deutsches Fühlen, deutsche Heimat, innig und tief ergriffen und geschaut und darum in aller Schlichtheit stille ergreifend.

Das Büchlein ist geschmückt mit Abbildungen nach alten Stahlstichen, Steindrucken und Zeichnungen, die fein in das sozusagen zeitlose Erleben des Buches hineinpassen. Heimaterleben in tiefster Seele, das kann das Büchlein dich lehren und dir schenken. Still und froh wird es dich machen und dir Sehnsucht ins Herz geben. »Sehne dich und wandere.«