Wenn man ihn’n schöne Erze zeigt,
An Silber und an Bleien reich.
Dann ruft mit ihm der ganze Hauf:
Glückauf! Glückauf! Glückauf!«
Es ist ja noch gar nicht lange her, daß die staatlichen Erzbergwerke ihren Betrieb einstellten, weil sie nur noch mit Zuschuß »Zubuße« arbeiteten und glaubten, bei dem Niedergang des Silberpreises dem Wettbewerb auf dem Weltmarkt nicht mehr gewachsen zu sein. Nur ein Dutzend Jahre! In diesem Dutzend Jahre aber ein Erleben so groß und wuchtend, so welterschütternd und schicksalsschwer, als wäre die Lawine eines Jahrhunderts über die Herzen gegangen! – Ja, die alte Bergherrlichkeit! Man denkt, sie ist gestorben, man meint, sie könnte nicht mehr erwachen. Ach, man hat ja unter den Lawinenlasten der Zeit das Glauben mehr und mehr verlernt, während doch nur der Glaube an uns und unsere Zukunft uns helfen kann, während doch nur erst und eigentlich der Glaube die Sehne strafft, den Willen zu Stahl härtet, Berge versetzt und mit Glückauf! Glückauf! Glückauf! Felsen zerbricht, schöne Erze »an Silber und an Bleien reich« aus schwarzen Abgründen fördert.
»Wenn ihr glauben würdet, so wäre euch geholfen!« Auch dem Freiberger Bergbau wäre geholfen, würdet ihr glauben, denn der Freiberger Bergbau ist ja nicht tot. Nicht an Altersschwäche und Erschöpfung ist er eingegangen wie ein lebenssatter verbrauchter Greis. Ruhe ist kein Tod, sondern kann Leben voller Kraft und Zukunftshoffnung, voller Tätigkeit und Schaffenslust werden, wenn eine starke Hand weckt. Es gilt noch das Wort: »Silber hegen seine Berge noch in manchem tiefen Schacht!« In der Tiefe schlummern die Gänge edler Erze und warten auf die glaubensstarke Faust, welche an die Felsen schlägt, welche mit modernem Geiste sie weckt und an das Licht bringt, mit moderner Technik sie aufbereitet und ohne Verluste, nach bestem Verfahren, ihre reichen Werte der Tiefe und dem toten Gestein entreißt.
Ein tragisches Geschick war es, daß außer am Sinken des Silberpreises, der staatliche Freiberger Bergbau unter seinen Betriebseinrichtungen litt, daß die Zubußgelder des Staates zum größten Teil zur Unterhaltung des zu großen Betriebes benötigt und nur zum geringen Teile zu Neuanlagen verbraucht wurden. Seine Gänge und Abbaumöglichkeiten konnten aus Mangel an Mitteln nicht genügend erschlossen und das geförderte edle Gut in nur unvollkommener Aufbereitung ausgenutzt werden, unter großen Verlusten, bis zu 35 Prozent und darüber.
Erst nach seinem Erliegen wurden neuere vollkommenere Aufbereitungsverfahren, wie die Cyanlaugung der Silbererze und das Schwimmverfahren, bekannt, durch welche z. B. in Mexiko trotz niedriger Silberpreise der beste wirtschaftliche Erfolg auch für den Abbau der ärmeren Erzmittel der edlen Quarzformation (bis zu 0,025 Prozent Silbergehalt) verbürgt wird. (Vgl. Dipl.-Ing. Arnold Ziffzer in »Metall und Erz« 1923 S. 42–47.)
Wären vielleicht seinerzeit manche Zubußgruben rechtzeitig und früh genug aufgegeben und die dort ersparten staatlichen Mittel in vollem Umfange z. B. auf das Himmelsfürster Gebiet mit dem Werke »Junge hohe Birke« und seine moderne Ausgestaltung verwendet worden, vielleicht wäre gute Ausbeute für lange Jahre und steigende Rentabilität gesichert gewesen zum Segen des Freiberger Bezirkes und der ganzen Heimat, nicht zum mindesten während des Krieges und der unheilvollen Zeit des Währungsverfalles. Ein Ausgangspunkt wäre geblieben, um mit immer neuer Kraft und Unternehmungsgeist die Möglichkeiten der Technik und die Hoffnungen und Verheißungen der Tiefe auch in anderen hoffnungsreichen Freiberger Revieren auszuschöpfen.
»Wer der Ausbeuth will genießen,