Laß sich Zubuß nicht verdrießen«
und
»Gib Zubuß, arbeit’, wart’ dein Zeit,
Es folgt Ausbeuth, die dich erfreut.«
Diese alten Bergmannssprüche waren nicht beachtet und ihre Weisheit nicht zur Tat geworden, als der letzte Häuer der Freiberger staatlichen Gruben seine letzte Schicht verfahren mußte.
Warum blickte er so trübe und so schmerzlich? Weil er weiß, daß unten in der Tiefe noch reiche Erzadern bluten, daß in Gefels und Klüften noch viele edle Gänge der Erforschung und des Abbaues nach der Tiefe und nach der Breite harren, daß nur im engeren Gebiete des staatlichen Erzbergbaues Untersuchungen zur Erschließung neuer Gangmittel in horizontaler Richtung durch Querschläge, aber nur ungern und zögernd nach der Tiefe stattfanden, daß aber die zahlreichen notleidenden Privatbesitzer diese Forschungsarbeiten völlig vernachlässigten und nur durch Raubbau sich hielten. Er trauert, daß die weiten und reichen Reviere westlich und nördlich von Freiberg mit ihren viele kilometerlangen Gangzügen, der edlen Silber- und Bleierze führenden Quarzformation, der edlen Bleiformation mit dem reichen funkelnden Bleiglanz und dem Vorkommen von gediegenem Silber, die Bergbaureviere zwischen Hohentanne, Kleinvoigtsberg, Bräunsdorf, bei Kleinwaltersdorf, Großschirma, Wegefahrt und den benachbarten Fluren noch unerforscht sind, trotzdem Verbindungen stückweise erforschter reicher, edler, abbauwürdiger Gangzüge sicher anzunehmen sind.
So ist den Zeitverhältnissen, dem Mangel an Mitteln, dem mangelnden Glauben, dem Mangel an Technik und einer gewissen Rückständigkeit der Einrichtungen, eine Grube nach der anderen zum Opfer gefallen und hat eine Belegschaft nach der anderen Bergkittel und Leder an die Wand hängen, Schlägel und Eisen bei Seite legen müssen, trotzdem die Schätze der Tiefe noch unerschöpft der Faust und des Bohrers des Bergmanns warten und geheimnisvoll leuchtend und funkelnd der aus ihrer Gebundenheit erlösenden Tat und den wunderbaren Kräften und Mitteln modernster Technik und Wissenschaft entgegenharren. –
»Nur eine hohe Säule zeugt von verschwundener Pracht!« Sie zeugt von dem Geist und Leben, von der Art und Arbeit, von den Erfolgen und Hoffnungen des Freiberger Bergbaues. Geborsten ist die Säule noch nicht! Sie wird auch nicht stürzen über Nacht! Nein, sie soll die Ecksäule eines Neubaues sein und werden, eines Neubaues Freiberger, sächsischen Erzbergbaues! Diese Säule heißt: »Alte Hoffnung Gottes!«
Ist der Name nicht wie eine Prophezeiung? Aus ihm klingt das Vertrauen und der Glaube heraus, der unserer Zeit fehlt und doch so bitter nötig ist, der alte Glaube an die Zukunft. Die »Alte Hoffnung Gottes« ist nicht zuschanden geworden, sie allein hat durchgehalten durch alle bösen Tage von Silbersturz und Krieg, von Inflation und Geldknappheit, und hat dadurch bewiesen, daß auch heute noch eine starke Faust funkelndes Leben aus den Tiefen des Freiberger Bodens zu holen vermag, daß der alte Hoffnungsvers des Bergmannsliedes doch noch Geltung hat:
»Glückauf! ihr Bergleut, jung und alt,