Seid frisch und wohlgemut,
Erhebet eure Stimme bald,
Es wird noch werden gut!«
Wir wollen einmal von Freiberg dieser letzten Stätte Freiberger Bergbaues einen Besuch abstatten, und von der Alten Hoffnung Gottes zu Kleinvoigtsberg uns neue Hoffnungen für die Zukunft ins Herz holen und uns stärken an dem Gedanken, daß ein Stillstand wohl den Bergbau treffen konnte, daß aber Erwachen und neue Kraft aus der Tiefe, durch Glauben und Hoffnung zu neuem Leben emporhebt.
»Es wird noch werden gut!«
Unsere Fahrt geht vom Obermarkt der alten Bergstadt aus. Mitten auf seinem Spiegel steht das Brunnendenkmal Ottos des Reichen, des Stadtgründers, der seinen Reichtum den Silberfunden des Freiberger Bodens verdankte. Unter seinem Helmsturz scheint er uns freundlich zuzulächeln. Seine Hand mit der Gründungsurkunde will er wohl heben, um uns ein Glückauf zur Fahrt zu winken? Zur Fahrt, die der alten Hoffnung auf die geheimnisvollen verschwiegenen Tiefen, auf die noch nicht erschlossenen, schlummernden Kraftquellen seines alten Vriberchbodens gilt? –
Am Rathauseck sind zwei Kreuze seit Jahrhunderten als Wahrzeichen angebracht, die aus eingelassenen Erzstücken bestehen. Jeder wandernde Handwerksbursche mußte sie kennen und nennen als Ausweis seiner Ortskenntnis in fernen fremden Zunftstuben und Herbergen. Unsere Fahrt gilt heute dem Erz des Freiberger Bodens, das Alt-Freiberg untreu geworden sein soll, wie man meint, dessen alte heimliche Treue uns aber dennoch heute das Herz stärken soll. Wie bedeutungsvoll wollen uns da die ehrwürdigen Erzkreuze, diese alten Zeichen dort oben als Sinnbilder scheinen: Ohne Kreuz und Leid, ohne Treue, ohne Glauben und ohne Opfer kann edles Erz nicht aus dunkler Tiefe ans Licht gebracht werden! – Und dort drüben an der Hausecke steht seit Jahrhunderten der altertümliche Bergmann mit dem großen Tellerkragen unterm Kinn, mit der Erzmulde auf der Schulter und einem Wappen unter der Faust. Die Inschrift lautet, daß hier Freibergs erste Zeche gewesen sei. Alte Überlieferung ist es, die damit uns zugeraunt wird. Eine Fahrt von Freibergs erster Zeche zu Freibergs letzter Zeche? Eine Fahrt von der Wiege zum Grabe? Nein, »Alte Hoffnung Gottes« deutet auf Zukunft, deutet auf neues Werden!
Auf neues Werden deutet der frühlingsmäßige Tag, ob auch Winter im Kalender steht und noch die Knospen im kahlen Geäst zu schlummern oder gar tot zu sein scheinen. Wir wissen, sie brechen auf, und das Leben ist stärker als der Tod!
Durch die alte Leipziger Straße geht unsere Fahrt. Von drüben, von der Höhe grüßt Herdersruhe herüber, wo inmitten eines kleinen Haines »der Knappen bester Freund«, der Berghauptmann Freiherr v. Herder, der Sohn des Dichters, in der Halde zu den drei Königen seinen letzten Schlummer schläft. Als er hier Ende Januar 1838 seine letzte Schicht verfuhr, schien es den Zeitgenossen, als wäre mit ihm die Blüte des Bergbaues zu Grabe getragen.
»Doch schwieg rings auf den Bergen das Grubenglöckelein,