Abb. 1. »Alte Hoffnung Gottes« Kleinvoigtsberg. Pulverhausturm
Nicht weit vom Turm liegt das Huthaus ([Abb. 2]) mit seinem kecken, zierlichen, achteckigen Dachreiter in die Ferne bis zu den Türmen Alt-Freibergs schauend. Das Glöcklein dort oben klingt noch immer stimmungsvoll mit heller Stimme über die Dächer des tiefer liegenden Dörfchens und ruft zur Schicht. Das Dörflein hat keine Kirche. Die Glockenstimme des Huthauses, in dem sich die Belegschaft vor der Schicht sammelt, ist, wie anderwärts die Kirchenglocke, hier die Stimme der Heimat, die Stimme der Mutter, welche den Kindern des Dorfes in der Fremde und daheim im Ohr und im Herzen liegt und Tiefstes wecken kann, wenn lange entbehrt, sie plötzlich an die sonst vielleicht stumm und stumpf gewordenen Saiten des Herzens klingt.
Das Dorf hat keine Kirche, aber im Huthaus befindet sich schon seit dem Jahre 1770 heute noch im Erdgeschoß eine Betstube, in welcher nach altem ehrwürdigen Freiberger Brauch vor der Schicht sich die Belegschaft zu kurzer Andacht sammelt. ([Abb. 3.]) Die mit reizvoll geschnitzten Akanthusranken verzierte kleine alte Orgel spielt einer der Bergleute. Auf rauhen Bänken ohne Lehne sitzen die schlichten Männer in ihrer Arbeitstracht und kräftig füllt ihr Lied den so unendlich einfachen und doch so würdevollen Raum, ehe sie mit frohem Glückauf an ihr Tagewerk in dunkler Tiefe gehen.
Abb. 2. Huthaus von »Alte Hoffnung Gottes« zu Kleinvoigtsberg, links das Haus, im Hintergrund ist die »Bergschmiede«
Im oberen Geschosse liegt die Wohnung des Hutmannes und, nicht zu vergessen, ein kleiner Ausschank und Gaststube für den Bergmann. Ein Freiberger Verslein sagt bezeichnend:
»Rostig wird die Grubenschiene,
Wenn der Hunt nicht drüber läuft,
Faltig wird des Bergmanns Miene,