Das Haus wurde in Sonnenschein und Regen altersbraun, und auch der Baum – gewiß so alt wie das Haus – verlor die grüne Beweglichkeit der Jugend, Stürme und kalte Nächte ließen sie von oben herab erschauern. Aber sie blieben beisammen, als ein Bild aus vergangenen Tagen. Wie lange noch? Wer geht zuerst davon?

Abb. 2. Das Fährhaus bei Sommershausen

[Abbildungen 3] und [4]: Bei Liebshausen. Eine reichgesegnete Landschaft am südlichen Rande des böhmischen Mittelgebirges: weite ebene und sanftansteigende Ackerflächen, fruchtbar, voll Weizen und Zuckerrüben; jeder kleine Weg, jede Straße mit Obstbäumen bepflanzt, selbst die Feldflächen in geradlinigen Reihen mit ihren runden Kuppen durchzogen. Wohin das Auge schaut: Fruchtbarkeit des Bodens und Fleiß der Bewohner. Aber auch eine von der Natur allein ins Großzügige, ins Gewaltige gesteigerte Landschaft: die weite wellige Ebene wird umrahmt von seltsam geformten Bergen, unter denen nur drei der bekanntesten genannt sein mögen: Hoblik, Ranneyer Berg und Milleyer Berg. Da sie vom Fuße bis oben auf den langgestreckten Gipfel nur mit einer immer kurz bleibenden, von den Schafen fortwährend abgefressener Grastrift, beinahe ohne jede Strauch- und Baumgestalt, bedeckt sind, heben sich ihre scharf umrissenen Linien und Flächen fast trotzig drohend und gerade darum den Wanderer anziehend vom weiten Horizont ab. Und in welch farbigem Duft stehen sie manchmal da, wenn Sonne und Wolken die Luft malen!

Abb. 3. Bei Liebshausen

Nun mag der Wanderer stehen, wo er will: gerade hier empfindet er jede einzelne Pappel wie ein Fanal, das aus den Tausenden von rundköpfigen Obstbäumen in die Höhe flammt und da und dort das Versteck eines Gehöftes und die eigentliche Dorfmitte deutlich anzeigt. –

Abb. 4. Bei Liebshausen

An manchen anderen Stellen des schönen unvergeßlichen Nordböhmens ist mir der Baum gerade zum freundlichen Verräter, zum willkommenen Anzeiger eines Dorfes geworden. Der Weg führte, durch allerlei Bäume und reichen Pflanzenwuchs unübersichtlich geworden, dahin, der Karte nach mußte die Ortschaft nahe sein; und siehe da, aus dem zusammengeballten Haufen von Obstbäumen grüßte der Baum entgegen, noch ein paar hundert Schritte, und aus dem Grün tauchten die bescheidenen Gehöfte auf.