Abb. 5. An der Naab bei Kallmünz

[Abbildungen 5] und [6]: An der Naab bei Kallmünz. Wenn die Bilder mit den Farben reden könnten, die das Licht der Landschaft zu geben vermag! Was waren das damals für herrliche Bäume! Sie hätten mich fortführen können in ein fremdes Land. Aber weg mit solchen Gedanken, die immer nur vergleichen wollen, die untreu machen wollen. Seien wir fröhlich, daß es doch eine deutsche Landschaft ist! Eine steile, von zerbröckelnden Felsklippen aufgebaute Talwand, graugrün das seltsame Gestein, grau verbrannt die kümmerliche Pflanzendecke, voll gelbem Staub der Weg, der, kaum gehoben, sich wieder senkt, das schwarze und doch so weiß glänzende Wasser der Naab – in der staubgeschwängerten Glut des Sonnenscheins flimmern und blinkern die kleinen Widerscheine auf den dunkelgrünen, fast ledrigen Blättern der Bäume: und dieser ganze große Reichtum hineingedrängt und aufgehäuft in einen halbwegs großen, scharf sich drehenden Bogen des rasch eilenden Flusses.

Abb. 6. An der Naab bei Kallmünz

[Abbildung 7]: Im Taubergrund vor Rothenburg. Unten an der Tauber schon leise Abenddämmerung. Oben auf der steil ansteigenden Berglehne entlang noch im Lichte die Stadt, wie ein heilig Jerusalem im deutschen Land, wie eine vieltürmige märchenhafte Burg. Es zieht den Blick immer wieder hinauf zu ihr. Und es kann keinen anderen, keinen besseren Baum geben, der das Auge hinaufleitet, an dem die Gedanken hinaufsteigen, der die Sicht in so vielen Bildern uns genießen läßt. Und dazu der Gegensatz! Unten die Bäume alt, müde, vom Zahn der Zeit zermürbt – droben die Stadt, die, noch im Schmuck der Mauern und der Türme vom alten Deutschen Reich erzählend, nicht vergeht.

Abb. 7. Im Taubergrund vor Rothenburg

Es mag genug sein mit den Bildbeigaben. Ein paar Hinweise, einige Fragen will ich noch in aller Kürze andeuten, um zum Nachsuchen anzuregen. Auf dem stillen Teile des Schillerplatzes in Blasewitz hat die Gemeindeverwaltung vor Jahren eine Reihe von Pappeln angepflanzt. Mit Recht? Oder passen die Bäume nicht her? – Der nimmermüde Strahl des artesischen Brunnens in Dresden-Neustadt läßt sein Wasser in das runde Becken eines offenen Tempelchens fallen. Um ihn herum stehen Pappeln. Sind das die richtigen Bäume? Oder hätte der Architekt wieder die runden Kugeln der Akazien des durch den Neubau im Hintergrund so recht zerstörten Straßenbildes herbeiholen müssen? – Wir schreiten langsam das Terrassenufer mit seinen architektonisch zusammengeschnittenen Bäumen herunter. Wo die Straße dann eben hinführt, stehen zur Rechten bis zur Brücke ein paar Pappelbäume, etwas dürftig und recht gealtert. Wer weiß, woher sie stammen. Ist es aber nicht so, als wenn sie die von uns verlassene Höhe des Sachsenplatzes noch einmal aufnehmen und sie in uns nachklingen lassen wollten? – In dem Gartenhof des Pillnitzer Kammergutes ragen zahlreiche Pappeln auf. Tun sie nicht das ihre damit, daß sie für uns das mittelste und älteste Wirtschaftsgebäude so ehrwürdig hinstellen, ohne dem Schnitter die Wiese zu nehmen? – Warum hat der Gartenkünstler seiner Zeit auf den freien Rasenflächen, die mit ihren farbigen Blumenbeeten das Palais im Großen Garten umgeben, in den beiden Hälften der kurzen Achse Pappeln angepflanzt? – Wer von den vielen Besuchern der Sächsischen Schweiz hat die Pappelgruppe auf dem Eisbecher bei Posta, den alten grünen Wächter an Schumanns Ziegelei in Wehlen bewundert? – Dort, wo die breite Landstraße von der Höhe heruntersteigen will nach Possendorf, muß sie eine scharfe lange Wendung machen. Hier stehen ziemlich eng aneinander eine Pappel an der anderen, als wenn sie ein durchsichtiges und doch sicheres Geländer für die rechte Straßenseite sein wollten. –

Es mag mit diesen Beispielen aus der Nähe genügen. Fast möchte ich wünschen, wir hätten ein Buch voll guter Pappelbilder beisammen, herbeigeholt aus allen Teilen unseres Landes. Was müßte das bei aller Gleichheit für eine Summe von Verschiedenheiten geben! Und ich wüßte ganz gewiß, die Bilder würden einen jeden zwingen, an dem Baume Gefallen zu finden und ihm sein Daseinsrecht als ein eigenartiges Glied in der heimatlichen Landschaft so lange wie möglich zu wünschen.