Schon grüßte uns das schwarze Kreuz auf seiner einsamen Höhe, und jetzt, jetzt standen wir oben auf dem Kamme, und der Blick schweifte sehnsüchtig und suchend hinab in die Tiefe. Noch hüllte sich das Mittelgebirge in leichten Nebel, aber links und rechts von uns und unmittelbar zu unseren Füßen glänzte das Land im goldenen Sonnenschein. Gleich rechts uns zur Seite stieg wie ein mächtiger Eckpfeiler der Stürmer empor, am Hange halblinks vor uns lagen hingebettet und sich an den Boden anschmiegend die schindelbedeckten Häuschen der alten Bergstadt Niklasberg. Wir folgten ihren Reihen, bis sie sich im Laubgewirr des Hüttengrundes verloren, den die Eisenbahn Eichwald–Klostergrab–Brüx auf hoher, kühner Brücke überquert. Und drüben im Südosten sahen wir, vom Schloßberge hoch überragt, die Badestadt Teplitz, deren heilkräftige Quellen schon manchen von langem, schmerzensreichen Siechtum erlöst haben.

Jetzt geruhten auch die stolzen Herren des Mittelgebirges den Schleier zu lüften, und fast urplötzlich stand mit all den spitzaufstrebenden oder langrückigen Höhen um ihn her der Milleschauer in seiner vollen majestätischen Schönheit vor uns. Allein der Borschen bei Bilin enthüllte sich nicht. Er ließ seine mächtige Löwengestalt nur in unsicheren Umrissen durch den Nebeldunst hindurchschimmern. Wir zürnten ihm nicht. Fesselte uns doch der reizvolle Wechsel zwischen Berg und Ebene, zwischen Wald und Feld und dichtgescharten menschlichen Siedlungen so stark, daß wir wie an unseren Ort gebannt waren. Wir schauten und schauten und entdeckten bald in greifbarer Nähe, bald in weiter, weiter Ferne immer neue Schönheiten. Und als wir nach langen Minuten Blick in Blick tauchten, da spürten wir, wie ein Glühen und Leuchten auch durch unsere Seele zog.

O Lust, vom Berg zu schauen

Weit über Wald und Strom,

Hoch über sich den blauen

Tiefklaren Himmelsdom!

Vom Berge Vöglein fliegen

Und Wolken so geschwind,

Gedanken überfliegen

Die Vögel und den Wind.