Abb. 7. Gericht bei Bischofswerda
Abb. 8a. Galgen (Camberg)
Abb. 8b. Galgen (Liebenwerda)
Die Siegel der Städte (siehe [Abb. 4]), welche ebenfalls Dilich seinen »Stadtprospekten« und zwar in meisterhaft gelungenen Bildchen beifügte, lassen ebenfalls erkennen, wie die Stadtmauer mit ihren Toren als durchaus zum Begriff der Stadt gehörig angesehen wurde, denn die meisten der zierlichen Stadtsiegel zeigen ein Tor und ein Stück der Stadtmauer.
Vom Inneren der Städte erlangt man, wie dies bei einer außerhalb des Ortes gemachten Aufnahme nicht anders sein kann, keine oder nur eine sehr geringe Einsicht. Der Verkehr ist in keiner Weise zur Darstellung gekommen. Es lag dies auch nicht in der Aufgabe des Künstlers. Die hübschen Personengruppen auf einem der die Ansicht von Leipzig wiedergebenden Prospekte zeigen mehr das Streben, über den bloßen Abriß hinaus zu einem wirklichen Bild zu gelangen. Einen besonderen Reiz erlangen die Dilichschen Städtezeichnungen durch die Darstellung der Baulichkeiten, in denen sich die Vereinstätigkeit der organisierten Schützenbrüderschaft ihr Übungsfeld auserkoren hat. Die Schützengilde besitzt draußen vor der Stadtmauer einen großen umfriedeten Platz, der eine hohe, auf einer wohlbefestigten Balkenbasis stehende Stange zeigt. Etwa sechshundert Fuß davon entfernt befindet sich die Zielstatt, das Gesellschaftshaus der Bürgerschützen (s. [Abb. 5]), ein Holzbau mit Türen und Stockwerken. Die hohe Stange deutet darauf, daß nach einem hölzernen Vogel, einem uralten Ziele[4], geschossen wird, doch lassen auch andere Abbildungen der Schießübungsstätten eine Schießmauer oder eine schwebende Scheibe erkennen. (Adorf.) Besonders gravitätisch stellt sich die Vogelschießstange vom Bade Wiesenbad (Hiobsbad) bei Annaberg dar. Sie diente den Schießübungen der Wettiner, wenn diese in dem fürstlichen Bade weilten, was häufig geschah. In Ausübung dieses ritterlichen Sportes waren die Nachkommen des kriegerischen Moritz von jeher eifrig und geschickt. ([Abb. 6.])
In entgegengesetzter Richtung dieser Stätten, die den in den Städten erwachten Volksgeist und die Freude an gemeinsamer Festlust bekunden, zeigt Dilich auch auf seinen Bildern den Ort, den Unheimlichkeit und Schimpf umgaben, den Galgen. (S. [Abb. 7], [8a], [8b].) Auf allen Städtebildern darf ja diese bekannte Silhouette: der Galgen, nicht fehlen, und Dilich findet sogar den Mut, auf einer Zeichnung einen Gehängten mit seinem ganzen Graus und Schrecken hineinzuschmuggeln. Die Galgen haben verschiedenes Aussehen. Bald sind es die ganz einfachen Formen des Knie- oder Winkelgalgens, mit böser Ironie schlankweg »einschläfriger« geheißen, oder es sind reichgegliederte, auf Säulen oder Mauerwerk ruhende Balkenverschlingungen, an denen die armen Opfer »in der Luft reiten« oder »über sich die Luft zusammenschlagen lassen«, wie der grimme Spott im Mittelalter zu sagen pflegte. Die hohen und festen Mauern um den Galgen haben wohl das Entwenden der Leichname seitens der Verwandten zwecks Beerdigung unmöglich machen wollen, denn indem die alte Justiz den Gehängten über der Erde verwesen ließ – den Vorüberziehenden zum Schrecken und zur Freude der Aasgeier – hat sie den Schmerz der Angehörigen vermehrt, die Strafe und deren Schimpf verschärft.