Adam, wo bist du? So lautet die Überschrift des Lebenslaufes, in dem die Geschichte der Schöpfung und des Sündenfalles sich deutlich widerspiegelt, ja, fast wörtlich ist der biblische Ausdruck beibehalten worden und in Anwendung gesetzt zum Leben des Hirten, der hier ruht.
Wir lesen:
Adam, wo bist du?
In dieser Gruft, mein Leser, da findest du die Asche
des wohlerw. M. Johann Adam BÖHLENS,
treufleißigen Pastoris zu Schirmenitz und Paußnitz.
Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde
den 4. März 1685 in Strehla
und setzte ihn 1718 in seinen Kirchengarten Eden,
daß er ihn bauete.
Weil es aber nicht gut, daß der Mensch alleine,
machte ihm Gott
1.) die Jungfrau Martha Judith,
weyl. G. M. Jacob Rösters in Strehla ehel. Tochter
den 23. April 1719,
dann
2.) Jungfrau Christiane Theodora,
weyl. Herrn Joh. Brausitzen, Jur Proc. in Mühlberg
ehel. Tochter, den 7. Mai 1725,
nun betrübten Witwe,
eine Gehilfin,
die um ihn sei.
Und Gott segnete sie, daß sie fruchtbar
und sich mehreten in 1. Ehe
mit 2 Söhnen und 1 Tochter,
davon jene leben,
in 2. Ehe mit 3 Töchtern und 2 Söhnen,
davon diese aber entschlafen.
Gesetz und Evangelium,
wonach er lehrte, glaubte und lebte,
war ein Baum der Erkenntnis und Baum des Lebens.
Jetzt mußte er wieder zur Erde werden,
davon er genommen,
denn 1737, den 20. Nov., ließ Gott der Herr
einen tiefen Schlaf fallen auf den Menschen,
und er entschlief,
daß sein Alter ward 52 Jahr 8 Mon. 16 Tag.
Da ließ ihn Gott aus Eden
durch den Cherub ins Paradies ein.
Siehe, mein Leser,
so ist Adam geworden als unser einer.
Eine Träne des Mitleids kommt wohl jedem Besucher des Kirchhofs zu Pesterwitz bei Dresden, wenn er auf dem auch künstlerisch sehr wertvollen Grabdenkmal der Familie des Pfarrers Opitz die Trauerkunde vom »sechsfachen Tränenopfer« liest, wie im zartesten Alter ein Kind nach dem andern von Pestilenz und sonstigen Seuchen dahingerafft worden ist. Und trotz dieser Schicksalsschläge das glaubensfrohe: Sit nomen Domini benedictum in secula! ([Abb. 1.])
Abb. 1. Das »sechsfache Tränenopfer« auf dem Pesterwitzer Kirchhof
Das Denkmal wird oben von sechs Kinderköpfen geschmückt, die aus einem Baldachin hervorschauen. Darunter sind sechs wappenartige Tafeln mit Namen und Lebensgang der Kleinen zu finden. Links, auf urnengeschmücktem Grabmal, eine größere Tafel, deren Inschrift sich auf Pfarrer Opitz bezieht, rechts eine gleiche, die von seiner Lebensgefährtin erzählt. Zwei Knabengestalten halten die Epitaphe, während am Fuße des Denkmals ein trauernder Engel kniet.
Die Aufschrift lautet:
Des hiesigen Pastoris
Mag. Johann Gottlob OPITZENS
und seiner Ehegenossin
Frauen Charlotten Marien geborenen Rentzschen
aus Frankfurt an der Oder
sechsfaches Tränenopfer
bei dem frühzeitigen Absterben ihrer Kinder.
I. ANONYMUS, kam tot zur Welt den 3. März 1759.