Da wir uns gerade auf dem Pesterwitzer Kirchhof befinden, sei erwähnt, daß man beim Abtragen der Grundmauern des alten Gotteshauses einen Behälter mit Eiern gefunden hat, der einst aus Aberglauben eingemauert worden war, um die bösen Geister zu versöhnen. Man glaubte früher bekanntlich, daß man beim Bauen etwas Lebendes als Opfer einmauern müsse. Während man in den ältesten Zeiten Kinder und Jungfrauen opferte (diese besonders bei Anlage von Ritterburgen, die man dadurch uneinnehmbar zu machen dachte), nahm man später Ziegen, dann kleinere Tiere, bis zuletzt die barbarische Sitte noch weiter gemildert wurde und man auf Eier zukam. Die sehr sehenswerten Sammlungen des Herrn Dr. Pötsch in Pesterwitz enthalten einige beim Kirchenneubau gefundene Eier. Genannter Herr gewährt Besuchern gern Einblick in sein Museum, das die verschiedensten Gebiete umfaßt.

Das »Sechsfache Tränenopfer« erinnert mich an ein ergreifendes Gegenstück, so sich auf dem Felsenkirchhof zu Liebethal bei Lohmen findet. Der von fünf Blümchen und einer Ranke gezierte Grabstein erzählt von »fünf lieben Ehepflänzlein«, die im zartesten Alter von fünf bis achtzehn Tagen, nur ein Kind erreichte das fünfte Lebensjahr, den bekümmerten Eltern entrissen wurden. Nicht ohne tiefes Mitleid liest man:

Allhier ruhen fünf liebe Ehepflänzlein
Johannis Georgi HÜBSCHENS,
Pastoris in Porschendorf und Liebenthal,
und Frau Julianen Mariens geb. Hartmannin,
alß ...

Und nun folgen die Namen und Daten ...

Auch hier wieder am Schluß die glaubensfeste Hoffnung:

»Ich habe Euch ziehen lassen mit Trauern und Weinen,

Gott aber wird Euch mir wiedergeben mit Wonne und Freude ewiglich.«

Das an der Kirchenmauer aufgestellte Grabmal ist wohl der einzige bemerkenswerte Denkstein dieses Friedhofs. So sehr schon die Erhaltung des über zweihundert Jahre alten Steins auch vom künstlerischen Standpunkte aus zu begrüßen ist, so sehr ist noch zu wünschen, daß die Umgebung des Grabmals von allerhand Abraum und Baumaterial gesäubert und ein würdiger, stimmungsvoller Rahmen geschaffen werde.

Die aus dem engen Wesenitzgrunde zum Kirchlein heraufführende Felsentreppe ist uralt und von malerischer Wirkung. Ludwig Richter hat oft hier geweilt und gezeichnet. ([Abb. 2.]) Der Blick vom Felsenkirchhof hinab in die vom Flusse rauschend durchströmte Schlucht ist ganz eigenartig. Einst soll der Grund so eng gewesen sein, daß er von einer Brücke überspannt wurde. Die Steinbrüche haben im Laufe der Jahrhunderte die Schlucht immer mehr verbreitert, wie von der niederen Kirchhofsmauer aus deutlich zu sehen ist.