Zum Schluß noch ein kurzes Wort von den Toten- oder Leichenbrettern und den Marterln, die uns zwar über die Grenzen unserer Heimat hinausführen, aber recht erhaltenswerte Volkskunst und Volkspoesie zeigen. So trifft der Wandersmann schon in der Oberpfalz und mehr noch im Böhmerwalde hie und da am Weg auf einzelne oder in Gruppen beisammenstehende Bretter, lang und schmal, zugespitzt in die Erde gesteckt. Stirbt jemand in der Gegend, so legt man die Leiche auf das sogenannte Totenbrett, das bunt bemalt und mit Sinnbildern des Todes, einem Schädel und paarweise gekreuzten Knochen, sowie mit einer aufgepinselten Blumenranke »geziert« wird. Nach dem Begräbnis versieht man die Tafel noch mit dem Namen, dem Geburts- und Todestag, sowie mit Berufs- und Titelangaben (das scheint besonders wichtig zu sein, wenigstens wird ganz streng darauf gehalten), bringt auch meist ein Sinnsprüchlein, einen Nachruf oder die Bitte um ein Paternoster für die arme Seele auf dem Brett an, spitzt es zu und schlägt es am Wegrand in die Erde, am liebsten in der Nähe von Kirchen und Kapellen oder bei einem Heiligenbild.

Die Marterl hingegen sind Tafeln, die an Unglücksfälle erinnern. Sie wollen uns sagen, daß hier an dieser Stelle, am schroffen Abgrunde, unter himmelhohem Felsen, am reißenden Gebirgsbache oder im einsamen Hochwalde, ein Menschenleben plötzlich dahingerafft wurde. Das »Tuifele« zeigt meist ein von ungeschickter Hand gemaltes Bildchen und ein Verschen, manchmal nach Art der Bänkelsängerreime gedichtet. So lesen wir:

Verweilet hier vor diesem Bild,

und knieet betend nieder,

daß sich mein letzter Wunsch erfüllt,

geliebte Christenbrüder.

Ich junger Mann mußt’ hier

vom Baume erschlagen sterben.

Euer Vaterunser helfe mir

mein Seelenheil erwerben.