Abb. 1. Radeburg
Es sei mir bei dieser Gelegenheit einmal gestattet, ein Wort an unsere Jugend zu richten. – Keiner weiß es besser als der Schreiber dieser Zeilen, welch ein Segen in einem Sonntag in Gottes freier Natur begründet liegt – aber liebe junge Wandersleute, ich bitt’ euch, geht mir nicht jeden Sonntag jeder Kirche vorbei! Ihr braucht deshalb nicht in der Stadt zu bleiben, beileib’ nicht. Lenkt eure Schritte nach wie vor hinaus in die grüne Heimatwelt – aber, wenn ihr durch solch Dörfchen kommt, und es läuten gerade die Glocken vom Turme, so tretet auch einmal hinein unter das kühle Gewölb, sitzt einmal nieder in dem alten Gestühl zwischen den Bauern mit den braunen Gesichtern, singt mit ihnen die alten deutschen Lieder und horcht auf die Worte, die von der buntbemalten Kanzel herabtönen, und die von den Bergen sprechen, zu denen aufzublicken gerade für unser Volk doch so nötig. Und gebt acht, erfrischt wie von einer Rast am Bergquell werdet ihr scheiden von der Stätte, die so oft der Träger ist einer jahrhundertelangen Heimatgeschichte. Aber wenn ihr dann hinausgeht mit den Alten im grünschwarzen Kirchenröcklein und mit den jungen Starken, die es auf dem Dorf Gott Lob noch nicht für eine Schmach halten, zu sitzen, wo schon ihre Ahnen andächtig saßen, da schaut euch um unter den Grabsteinen im Chor und im grünen Gräbergarten; betrachtet euch Kirchengerät, Klingelbeutel und Bildwerk. Volkskundlich und heimatgeschichtlich schon werdet ihr euch belohnt sehen, und auch eurem Leibe wird die Rast in der Stille wohlgetan haben und ihm zu weiterer froher Tagefahrt nützen. –
Abb. 2. Schloß Bärnsdorf bei Radeburg
Bei den Scheunen, wo die Junggänse durch die Brennesseln schnattern, und wo Nußbaum, Eiche und Pappel machtvoll emporragen, verlasse ich das sonntagsfrohe Städtchen. Wie gut, daß es noch Ackerbürger gibt in unseren Tagen; diesen ehrenwerten, kernigen, wurzelstarken Stand. Welcher Zauber nur geht von solcher Scheunenreihe aus und von den Gärten, die hinter den Bürgerhäusern lang und schmal zur Straße sich strecken. Apfelblüte und Schwertlilie, Schwalbengezwitscher und Finkenschlag, Jungweingerank und frisch aufgebrochener Flieder – o du Maienzeit, du Lenzeslust in solch kleiner deutscher Stadt! Vor dem Tischlerhaus jetzt freudiges Stimmengewirr – Besuch aus der Fremde rückt ein, strahlend begrüßt vom hemdärmligen Meister und der wohluntersetzten Mutter. Schon balgen sich die Hauskinder um die Reisetasche der Tante, schnurrend umstreicht das Kätzchen gekrümmten Rückens das festliche Beinkleid des Onkels, da sind sie endlich verschwunden im Hausflur, und der Bürgersteig wird wieder frei.
Abb. 3. Schloß Bärnsdorf bei Radeburg
Bei der Lohgerberei unten überschreite ich die rauschende Röder. Von Osten her grüßen schon die Höhen um Königsbrück im zarten Dunst. Ich aber will heute nichts wissen von Bergen und Tälern, ich wende mich links ab ins uralte Sumpfland, auf einem innig schönen Pfade am Ufer entlang – hinaus in die grünblaue Weite!
Abb. 4. Niederrödern