Die Götterfiguren von Permoser

Von Stadtbaudirektor Max Reimann, Leipzig

Eigenaufnahmen des Heimatschutzes

Von den berühmten Barockgärten Leipzigs war der Apelsche, später Reichelsche Garten genannt, vor dem Thomaspförtchen der größte. Von der ganzen Pracht der alten Gartenschönheit und der Erinnerung an die heiteren prunkenden Feste hat sich nur ein Teil der Gartenplastik auf unsere Zeit gerettet. Es sind die Sandsteinfiguren des Jupiter, der Juno, des Mars und der Venus von dem Bildhauer Balthasar Permoser, gebürtig aus dem oberbayrischen Weiler Kammer. Permoser war zunächst im Jahre 1704 von Friedrich I. nach Berlin berufen worden; dann aber wirkte er vom Jahre 1710 bis zu seinem Tode im Jahre 1732 als ein Hauptverkünder der Prunk- und Kunstfreude Augusts des Starken in Dresden. Seine Werke für den Zwinger, auf dem katholischen Friedhof und in der Hofkirche seien hier nur gestreift.

Abb. 1. Jupiter, von Permoser (Leipzig, Palmengarten)

Die vier Götterfiguren in Leipzig haben zum Teil schwere Schicksale erlitten, die wohl nicht zum wenigsten der verständnislosen Geringschätzung zuzuschreiben sind, die lange Zeit der Kunst des Barock entgegengebracht wurde. Jupiter und Juno standen noch lange in der Nähe ihres ursprünglichen Standortes, im Vorgarten des Sophienbades in der Otto-Schill-Straße. Als das Bad im April 1922 abgebrochen wurde, ließ der Rat beide Figuren nach dem Palmengarten überführen, wo sie eine Aufstellung gefunden haben, die ihrer ursprünglichen Bestimmung jedenfalls näherkommt als es an dem bisherigen Platze der Fall war. Die beigegebenen Aufnahmen zeigen ihren jetzigen Stand. Im Sommer bei belaubtem Baumhintergrund ist ihre Wirkung am günstigsten. Jupiter schleudert mit großer Anstrengung seinen Blitz. Sein Adler sitzt auf einem Gebilde, das eher versteinerter Meeresbrandung als einer Wolke gleicht. Juno mit ihrem Pfau in majestätischer Haltung, mit wallendem Gewande, das sie kokett rafft, um dem Beschauer anzudeuten, welche Formen sich dahinter verbergen. – Zwei treffliche Beispiele barocker Bildnerei. Von der Venus wußte man, daß sie im Erdreich des Vorgartens in der Otto-Schill-Straße schlummerte, seitdem ein Sturm sie vom Sockel geworfen hatte. Ich ließ sie freilegen, fand aber leider einen Torso, der die Reize der Liebesgöttin kaum mehr ahnen ließ. Der Sockel fehlte ganz, es war nichts hinüber zu retten. Der Mars in mittelalterlicher Rüstung führte bisher in einem Lagerschuppen hinter dem alten Johannishospital kopflos ein verschwiegenes und unrühmliches Dasein. Gesicht und Helm sind bis zur Unkenntlichkeit beschädigt. Besser ist der kapitälartige Sockel erhalten. Ohne eine weitgehende Ergänzung dürfte eine Wiederaufstellung nicht denkbar sein. Ob sich in unserer Zeit ein pietätvoller Retter findet?

Abb. 2. Juno, von Permoser (Leipzig, Palmengarten)

Die Frauenberufsschule in Leipzig, ein klassizistischer Bau