Fußnoten:
[5] Der rechte Flügelbau des Schulgebäudes ist nicht eigentliches Werk Dauthes, er ist später nach dessen Tode fertiggestellt worden, worauf später nochmals hingewiesen wird.
[6] Exemplare zur Einsicht befinden sich im Stadtgeschichtlichen Museum und in der Leipziger Stadtbibliothek.
Leipziger Bauten aus der Schinkelzeit
Von Dr.-Ing. Gero Schilde
Mit Eigenaufnahmen des Heimatschutzes
Um die Wende des vorletzten Jahrhunderts erlebte die Baukunst bei dem wirtschaftlichen Tiefstand in Deutschland, welchen der Siebenjährige Krieg und das napoleonische Jahrzehnt mit sich brachte, eine äußerst dürre Zeit. Die Geschichte der Baukunst hat die damalige Stilbewegung des Klassizismus an Schinkels Namen geknüpft und nennt bis auf Schinkel und Klenze nur wenige Architekten, die sich in bescheidener Weise bei ihren spärlichen Bauaufträgen als Baukünstler auswirken konnten. In Sachsen, welches durch die vergangenen politischen Wirren zu besonderer Einschränkung gezwungen worden war, kann sich Leipzig rühmen, in dieser Zeit Architekten besessen zu haben, die immerhin zu den bedeutenderen der Klassizisten zählen, und die Leipzig als Stätte der Baukunst für die Periode des Klassizismus betonen.
In Leipzig setzte frühzeitig die Bewegung des Klassizismus ein. Hier hatte bereits der Zopfstil, der Vorläufer der klassizistischen Periode, in Adam Friedrich Oeser, dem Maler und Lehrer Goethes, seinen Hauptvertreter. Der praktische Vertreter des Klassizismus wurde nach ihm der Architekt Johann Friedrich Dauthe, der in seinen Bauten dem Zuge der Zeit zur Antike einen starken Ausdruck zu geben verstand. Als eines seiner besten Werke kann noch heute die Innenarchitektur der Nikolaikirche gelten, deren ehemals gotischen Stil Dauthe in eine mustergültige naturalistische Form des Klassizismus brachte. Ein weiterer Bau dieses Architekten, die Frauenberufsschule auf der alten Moritzbastei, hat im vorausgehenden Artikel eine ausführliche Darlegung gefunden. Der Architekt von heute wird bei einem näheren Studium der schlichten Fassade viel schöne Einzelheiten und feine Gedanken klassizistischen Empfindens wiederfinden.
Neben diesen wenigen erhaltenen Werken Dauthes besitzt Leipzig noch eine Reihe anderer klassizistischer Gebäude, die nach den Befreiungskriegen als erste große Bauten entstanden und das Stadtbild wesentlich beeinflußten und auch heute noch bereichern.
Diese hat es seinem damaligen Baudirektor und spätklassizistischen Architekten Albert Geutebrück zu verdanken. Geutebrücks Name wird in der Baugeschichte meistens in Verbindung mit dem Schinkels genannt, der ihn bei dem Bau des Augusteums, der alten Universität, als seinen Vasallen erscheinen läßt. In Wirklichkeit hat Geutebrück als Architekt weit mehr bedeutet.