Abb. 1. Augusteum und Paulinerkirche in ihrer Gestaltung durch Geutebrück
(Nach einer Lithographie)

Vier Bauwerke sind es, welche heute dem Besucher des Augustusplatzes durch ihren gleichartigen Stil besonders in das Auge fallen: Universität, Post, Theater und Museum. Diese Gebäude präsentieren sich ihm in ihrem italienischen Renaissancestil als scheinbar gleichaltrige Gefährten aus dem Ende des vorigen Jahrhunderts; doch dem ist nicht so.

Die Gestaltung des Augustusplatzes begann in den dreißiger Jahren bereits mit den Bauten der Universität und des Postgebäudes. Mit beiden ist der Name Geutebrücks eng verbunden. In den Jahren 1836 und 1838 hatte Geutebrück mit dem Augusteum und der Post die ersten Seitenlinien dieses großen Platzes ziehen können und damit den Mittelpunkt der baulich sich entfaltenden Stadt angelegt. Wenn auch für die Ausführung der Fassade des Augusteums ein Entwurf Schinkels maßgebend wurde, so hatte doch Geutebrück nach eigenen Plänen den Innenbau durchführen können und sich dabei als Universitätsbaumeister großes Verdienst erworben. Seine Ausgestaltung der Aula, die später umgebaut wurde, verdient als vorbildlicher Saalbau seiner Zeit im Bilde wiedergegeben zu werden.

Abb. 2. Universitätsaula im Geutebrückschen Augusteum

Schonender ist die alles umgestaltende Zeit an dem Postbau Geutebrücks vorübergegangen. Hier sind die Hauptteile der Fassade von 1838 zum großen Teil noch erhalten. Das Quaderwerk der alten Sandsteinstücke, die Fenster bis auf ihre Verdachungen im Obergeschoß, als auch die seitlichen Pilaster der mittleren Vorlage und die Gesimse blieben bestehen. In ihnen grüßt uns heute noch der Geutebrücksche Bau. Die Eckrisalite, die Säulenvorlage mit Giebelfeld und figurengekrönte Attika, sowie die Balustrade oberhalb des Hauptgesimses sind neu.

Abb. 3. Portal des Geutebrückschen Universitätsgebäudes, heute südlicher Nebeneingang der neuen Universität. Nach Schinkels Entwurf von Ernst Rietschel ausgeführt

Das Augusteum und das Postgebäude wollten nach dem Bau des Theaters von 1867 und dem projektierten Umbau des städtischen Museums von 1883 nicht mehr recht zu dem Gesamtbilde des Augustusplatzes passen. Ihre schlichten Fassaden mußten reicher gegliederten Platz machen, die in der Form der italienischen Renaissance gehalten wurden.