Abb. 4. Geutebrücks Postgebäude am heutigen Augustusplatz; rechts davon das alte Teubnersche Haus
Als Spätklassizist strebte Geutebrück in seinen weiteren Bauten der antikisierenden Renaissance zu. Einzelne davon haben sich im Stadtbild bis auf heute unverändert erhalten. Das Konviktsgebäude der Universität in der Ritterstraße zum Beispiel ist ein solcher Bau. Ursprünglich hatte es anderen Zwecken als den jetzigen gedient. 1836 war es als erste Buchhändlerbörse Deutschlands vom Buchhändlerbörsenverein errichtet worden. Wie damals Geutebrück selbst sich äußerte, hat er bei dem Fassadenentwurf wesentlich unter dem Eindruck italienischer Studien gestanden. Das Renaissancemotiv des Rundbogenfensters kehrt an seinem Postbau wieder.
Abb. 5. Postgebäude nach dem letzten Umbau
Einen weiteren Bau Geutebrücks stellt das Preußische Haus in der Goethestraße dar. Auch dieses zeigt bis auf die modernisierten Ladeneinbauten noch seine alte Gestalt. Die Universität hatte es zu Messe- und Buchhandelszwecken entworfen und 1841 errichten lassen. Der Stil dieses Baues weist nicht mehr den schlichten Klassizismus auf. Lebhafter gliedert sich die Fassade und reicher werden die Profile; zwei Balkone auf kräftigen Konsolen betonen Eingang und Mitte.
Abb. 6. Alte Buchhändlerbörse an der Ritterstraße
Noch feinere Architektur findet man am Fridericianum in der Schillerstraße. Hier schuf Geutebrück seinen letzten größeren Bau, ebenfalls im Auftrage der Universität. Auch an ihm hat die Zeit nichts geändert. Deutlich kann man die Bewegung des Baustiles vom Klassizismus zum Renaissancismus verfolgen, wenn man den gegenüberliegenden Schulbau Dauthes betrachtet. Dort noch die einfache klassizistische Architektur; deren Wirken allein durch monumentale Größe. Hier in der Fassade des Fridericianums bereits das Aufteilen und Verlieren in Einzelheiten. Es ist nicht mehr nur das Portal, welches durch einfache Zusammenstellung von Säule oder Pilaster mit Fries und Giebel ausgestattet wird. In den Mittel- und Seitenrisaliten bauen sich korinthisierte Pilaster übereinander auf, vielfacher wird der Schmuck, reicher die Profilierungen der Fenstergewände. Der reine Klassizismus, wie ihn Schinkel der Fassade des Augusteums aufprägte, ist hier verschwunden.