Ausgangs des achtzehnten Jahrhunderts entstand auch die Hospitalgruft, die in ihren klaren Formen so recht ein charakteristisches Beispiel der Zeit ihrer Entstehung darstellt. Sie wurde in den Jahren 1783 bis 1786 an der Westseite der ehemaligen II. Abteilung des Friedhofes auf drei eingegangenen Begräbnisstellen erbaut und diente zur Beisetzung für Ratsmitglieder, Universitätsverwandte und angesehene Bürger und Mitglieder des Adelsstandes, die bisher in der Pauliner Kirche beigesetzt worden waren. Ein schönes Beispiel der Neugotik ist in der Gruft der Familie Kistner von 1810 noch gut erhalten.
Abb. 5. Barock-Grüfte am Eingang des alten Johannisfriedhofs
Rechts die Löhrsche Gruft von 1740. Das Gitter ist jetzt entfernt
Abb. 6. Grabmal Simon Sperlings von 1714
Freilich zeigen aus dieser und der nachfolgenden Zeit manche Grabstätten deutlich die Not der Zeit und den langsamen Verfall künstlerischer Ursprünglichkeit.
Abb. 7. Jägersches Grabmal. Um 1730, 1800 erneuert
Die Erbbegräbnisse umschließen die drei Friedhofsteile. Sie geben die Grenzen für die so gebildeten Friedhofsräume. Innerhalb dieser festen Raumgrenzen kann sich die Grabmalkunst individuell an den Einzelgräbern entfalten, ohne die gewisse Einheit des Friedhofsbildes zu zerstören. Und wie aus der Umgrenzung sprechen auch aus den Einzelmalen die Jahrhunderte zu uns. Köstliche Beispiele des Barocks und Rokokos bringen in ihren anstrebenden, koketten, graziösen Formen selbst im Tode noch die Lebensfreude dieser Zeit zum Ausdruck, die Tage der Feste und des königlichen Glanzes. Das Zeitalter der Romantik zog herauf. Die teils bewußte, teils unbewußte Unbehaglichkeit und Unzufriedenheit mit den vorhandenen Zuständen, diese Art von Weltschmerz über die Verbildung und Falschheit der Zeit macht sich geltend in sentimentaler Wehmut, in dem Suchen nach einer besseren und einfacheren Lebensweise. Eine Zeit der inneren Einkehr, des Schmerzes, der Sehnsucht brach an: Das Zeitalter der Empfindsamkeit. Wo konnte sie klareren Ausdruck finden als im Friedhof, da doch Friedhofsstimmung sie im Innersten beherrschte.