Möchte das Gemeinschaftsleben, das breite Volksschichten ersehnen, sich stark und mächtig entfalten. Das wird auch der Kunst förderlich sein, um so eher werden Vorschriften für den Einzelnen entbehrlich werden und unsere Friedhöfe wieder zu Stätten wahrer Volkskunst sich entwickeln. Nach welcher Richtung wir streben müssen, vermag in vielem solch alte Friedhofsschöpfung, wie der Johannisfriedhof, zu zeigen.

Schon rüttelt die fortschreitende Zeit an seinen Grundmauern. Das neue Grassimuseum rückt ihm gewaltig nahe und das Zukunftsprojekt zieht diesen Friedhof, wenn auch nach Möglichkeit weise schonend, in die Museumsanlage ein. Möchte der Geist solch alter Friedhofsstätte darum bald vielfältig lebendig werden in unseren neuen Schöpfungen, damit auch unsere Friedhöfe wieder charakteristisch Ausdruck geben von der Stimmung, die der Tod auslöst im menschlichen Gemüt.

Leipziger Kirchen

Von Hans Nachod

Eigenaufnahmen des Heimatschutzes

Leipzig kann keine Kirchenbauten aufweisen, die in der Geschichte der Architektur als Marksteine des Baugeistes der Nation Erwähnung verdienten. Bis zum Ende des Mittelalters war es, wie ja allgemein bekannt ist, ein Ort von geringer Bedeutung, und vollends in den frühen Jahrhunderten dieser Periode wird es nur ein kleiner Burgflecken gewesen sein, der eine ganz untergeordnete Rolle spielte. Als Stadt gehört Leipzig nicht zu den Neugründungen, die der großen Kolonisation der slawischen Gebiete am Ostrande des Reiches unter den sächsischen Kaisern ihre Entstehung verdankten, und denen in dieser Zeit allgemeinen Aufschwunges westliche Kultur in breitem Strome zufloß. Es ist damals und auch späterhin nicht Sitz eines Bischofs geworden und hat keine Kathedralkirche erhalten, und keiner der großen Mönchsorden, die sich die Bekehrung und Zivilisierung des neugewonnenen Landes als Aufgabe gestellt hatten, hat in den entscheidenden Jahrhunderten eine Niederlassung in dem Sumpfwinkel zwischen Elster, Pleiße und Parthe anlegen wollen. So hat sich die deutsche Ansiedlung bei dem slawischen Fischerdorfe Lipzk als ein kleiner lokaler Mittelpunkt eines der Burgwarte der Mark Meißen bis ins zwölfte Jahrhundert mit einem Kirchlein von ganz bescheidenen Ausmaßen begnügt, von dem wir nichts weiter wissen, als daß es durch eine Schenkung Kaiser Heinrichs II. im Jahre 1017 an das Bistum Merseburg gekommen ist und daß es möglicherweise an der Stelle der Nikolaikirche gestanden hat. Nachdem um 1160 Markgraf Otto dem Ort Stadtrecht verliehen und die offenbar schon bestehenden Märkte bestätigt hatte, machte sich noch im zwölften Jahrhundert für die rasch angewachsene Stadtgemeinde eine größere Kirche nötig. Von dieser sind jetzt nur noch wenige Bauteile übrig, die vor etwa zwanzig Jahren nahe dem Chor der Nikolaikirche zutage gekommen und an dessen Außenwand eingemauert worden sind. Im dreizehnten Jahrhundert sind zwar die beiden Bettelorden, die in der ganzen damaligen Welt den Anstoß zu neuen großen Kirchenbauten gegeben haben, verhältnismäßig früh nach Leipzig gekommen, die Dominikaner schon 1229, die Franziskaner noch vor Mitte des Jahrhunderts, und sie errichteten ihre Kirchen. Vorher hatte aber Markgraf Dietrich seiner 1212 bestätigten Gründung, dem Thomaskloster, nicht nur eine Kirche gebaut, sondern auch die Nikolaikirche unterstellt. Diese Zersplitterung der Kräfte hat gewiß verhindert, daß ein größerer Bau in Leipzig entstand, und erst das erstarkende Bürgertum der nächstfolgenden Zeit hat die Mittel zu Umbauten und Erweiterungen der vier Kirchen der Stadt gegeben. Zunächst wurden im fünfzehnten Jahrhundert die Thomaskirche der Augustinerchorherrn und die Ordenskirchen der Franziskaner (Barfüßer) und der Dominikaner (Pauliner) den neuen Bedürfnissen der Predigt entsprechend umgestaltet, bereits im sechzehnten Jahrhundert, kurz vor der Reformation, folgte dann die Nikolaikirche.

Abb. 1. Thomaskirche. Blick auf die Orgel vom Chore aus. Heutiger Zustand

So steht in Leipzig keine Kirche, die in ihren Hauptteilen über die spätgotische Periode zurückginge, und alle haben im Laufe der letzten Jahrhunderte noch durchgreifende Veränderungen erfahren, die ihre äußere und innere Erscheinung wesentlich beeinflußt haben. Drei dieser Kirchen sind aber auch so noch sehenswerte Denkmäler früherer Perioden der Stadtgeschichte.