Der obere Abschluß des Rathausturmes stammt vom Jahre 1744. Die alte Uhr ist noch erhalten. Der überdeckte Austritt über dem Haupteingang wurde im Jahre 1599 angefügt. Es ist der Platz, von dem aus die Stadtmusikanten ihre Ständchen brachten. ([Abb. 3.])
Abb. 6. Große Ratsstube, jetziger Zustand
Das Äußere des Baues war uns gottlob noch ziemlich unberührt bis in unser Jahrhundert erhalten und wurde 1906/09 unter Scharenberg in vorbildlicher Weise wieder hergestellt, wobei der ganze Bau zu einem stadtgeschichtlichen Museum umgestaltet wurde. Wenn man die alten Zeichnungen zu den vielfachen Umbauplanungen ansieht, muß man dankbar sein, daß sie nicht ausgeführt wurden. Meist war es allerdings lediglich Geldmangel, der davon abhielt. So hat auch die Not der Zeiten für die Stadt ihr Gutes gehabt. ([Abb. 4.])
Abb. 7. Museumsraum für kirchliche Kunst (ursprünglich Schöffenstube)
Das Kreuzgewölbe ist unter Benutzung von Gewölbemalereien des Paulinerkreuzgangs ausgemalt
Es war ein überaus glücklicher Gedanke, das alte Rathaus als stadtgeschichtliches Museum umzubauen. Der größte Teil des Gebäudeinnern war zu Verwaltungsräumen ausgebaut. Trotzdem haben sich eine Anzahl schöner Architekturstücke erhalten, so vor allem der vortreffliche Renaissance-Kamin von 1610 ([Abb. 5]) und der Pfeiferstuhl, der wohl noch von 1556 stammt und die Handschrift Wiedemanns zeigt. Diese Musikempore erinnert daran, daß der Rathaussaal der Saal der Stadt war. Hier fanden die Bürgerversammlungen statt, hier wurden die Ratsschmäuse abgehalten, hier feierten die angesehenen Bürger ihre Hochzeitsfeste und hier war auch der öffentliche Tanzboden. Der Umbau von 1906/09 hat mit großem Verständnis die Räume wieder in ihren ursprünglichen Zustand gebracht. Man bekommt so recht ein anschauliches Bild, wie weiträumig und großzügig unsere Altvordern bauten. Wie schön der große Bürgersaal sich als repräsentative Diele des Rathauses zeigt, kann das beigefügte Bild am besten zeigen. ([Abb. 6.])
Abb. 8. Museumsräume für kirchliche Kunst, anschließend an den großen Saal im Hauptgeschosse