Großsedlitz einst und jetzt
Von Dr.-Ing. Hugo Koch, Nerchau-Leipzig
Aufnahmen von Walther Möbius, Dresden
Großsedlitz, einst das schönste und charaktervollste Gartenkunstwerk der Zeit Augusts des Starken, ist heute ein vergessenes Paradies, der Gefahr des Verfalles preisgegeben. Nur schneller Eingriff und gründliche Arbeit vermag das Gartenkunstwerk lebendig zu erhalten, das zu den schönsten Werken der Barockzeit zählt und zweifellos in der Kunstgeschichte des Gartens eine bedeutende Stellung einnimmt. Möchte die kurze Besprechung dieses seltenen Gartenbauwerkes die verantwortlichen Stellen auf seine Bedeutung aufmerksam machen und die daraus sich ergebende Verpflichtung zur Erhaltung dieses Kunstbesitzes wecken.
Abb. 1. Großsedlitz. Erster Entwurf für den Garten
Aus Hugo Koch: »Sächsische Gartenkunst«
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Mit August dem Starken war für Sachsen eine Zeit größter fürstlicher Prachtentfaltung gekommen. Sie blieb nicht stecken in vergänglichen Hoffesten und Prunkschaustellungen, sondern zeitigte durch prächtige Schöpfungen der Architektur und Gartenkunst dauernde Kunstwerte, denen heute noch Dresden, die fürstliche Residenz, ihre Bedeutung verdankt. Der König ging als erster Bauherr voran, ihm folgten im Wettstreit seine Getreuen, als einer der bedeutendsten unter ihnen Graf Wackerbarth, – der Begründer von Großsedlitz.
Abb. 2. Großsedlitz. Zweiter Entwurf für den Garten
Aus Hugo Koch: »Sächsische Gartenkunst«
In der Geschichte des sächsischen Gartens hat sein Name einen guten Klang, gehen doch neben Großsedlitz noch andere beachtliche Gartenkunstwerke – Wackerbarths Ruhe in der Lößnitz und die großzügige Gartenplanung am Schlosse zu Zabeltitz – auf seine Initiative zurück. Sein bevorzugter Architekt war Knöfel. Johann Christoph Knöfel, oder Knöffel, wurde 1686 zu Dresden geboren – 1722 wurde er Landbaumeister – 1728 Oberlandbaumeister. Im Schaffen Augusts des Starken tritt er noch wenig hervor. Unter August II. arbeitete er viel für den allmächtigen Minister des Königs, Brühl. Der Brühlsche Garten zu Dresden, die große Gartenanlage zu Pforthen gehen auf ihn zurück. Er war noch verhältnismäßig jung an Jahren, als ihn Wackerbarth mit der Großsedlitzer Planung betraute. Wenn wir dies nur vermuten und über die Künstler, die in Großsedlitz tätig waren, nur wenig Bestimmtes wissen, so liegt es daran, daß die einzigen Zeugen, die Entwürfe, Zeichnungen und Rechnungen bei dem Brand seines Wohnhauses, des Gouvernementsgebäudes zu Dresden am 19. Januar 1728 verloren gingen.