Abb. 3. Großsedlitz. Dritter Entwurf für den Garten, der etwa der ausgeführten Anlage entspricht
Aus Hugo Koch: »Sächsische Gartenkunst«

Großsedlitz, in Verbindung mit dem kaum eine Viertelstunde nordwestlich gelegenen Dorfe Kleinsedlitz, war ehedem ein schriftsässiges Rittergut. Eine große Feuersbrunst am 23. August 1715 (vgl. »Geschichte des Königlichen Schlosses und Gartens und Erklärung der Statuen des Parkes« von G. A. Abendroth. Zweite Auflage 1881) mag die Veranlassung gegeben haben, daß Heinrich Gottlob von Wolffersdorff am 21. Juli 1719 das Rittergut Groß- und Kleinsedlitz für zwanzigtausend Gulden an den Grafen von Wackerbarth verkaufte. Nun begann ein umfassendes Planen und eine rege Bautätigkeit. Bereits am 29. September 1719 wurde vier Einwohnern zu Kleinsedlitz durch den Beauftragten des Grafen, den Oberkommissarius Hofrat Matthäus Gärtner, eröffnet, »daß Se. Exzellenz auf’m Erlichtberge sich ein Gebäude aufzuführen Willens sei, wozu er ihre daselbst gelegenen dreieinviertel Acker zweiundzwanzig Ruthen nötig habe«. Gleichzeitig wurde die Planung von Großsedlitz in Angriff genommen, denn am 6. Oktober 1719 meldete der Hofrat Gärtner dem Gerichtsverwalter Barth, »daß er Dienstag, den 11. Oktober, früh in Großsedlitz eintreffen werde, um denen, so zu dem zu erbauenden Palais Land abgetreten, dafür Felder auf dem Kleinsedlitzer Berge abzustecken und mit Pflöcken zu berammen«. Beide Planungen für Klein- und Großsedlitz standen miteinander in Beziehung. Wie immer das Bestreben jener Tage dahin ging, die ganze Umgebung in die Komposition einzubeziehen, war das auf dem Erlichtberge in Kleinsedlitz geplante Schloß mit Garten, Terrassen und reichen Kaskadenanlagen, für welche das abschüssige Gelände nach dem Elbtale zu sehr glücklich benutzt werden sollte, ausersehen, mit der Planung für Großsedlitz auch den Blick auf Dresden und das westliche Elbtal zu erschließen. Die beiden großen Anlagen sollten durch zwei Lindenalleen verbunden werden. Durch Aufgabe des Projektes auf dem Erlichtberge kam hiervon nur ein Teil zur Ausführung. Alle Mittel wurden auf die Großsedlitzer Anlage verwandt.

Abb. 4. Großsedlitz. Blick vom Eingang auf das alte Orangeriegebäude

Wir sind von der Planung unterrichtet durch den Entwurf, der sich in der Kartensammlung der Staatsbibliothek in Dresden erhalten hat mit der Bezeichnung: »Projet du Château et Jardin de Sedlitz près de la ville de Dresde au Comte de Wackerbarth,« ohne Namen des Verfertigers ([Abbildung 1]). Er dürfte auf Knöfel zurückzuführen sein.

Abb. 5. Großsedlitz. Rückfront des alten Orangeriegebäudes

Der Schöpfer der Planung machte sich eine Taleinsenkung des Geländes in geistreicher Weise zunutze. Das Schloß mit zwei weit vorspringenden Flügelbauten und die zu beiden Seiten im stumpfen Winkel symmetrisch sich anfügenden Orangeriegebäude bilden als beherrschende Baugruppe den Zielpunkt der Anlage. In den Achsen der drei Gebäude führen Terrassen und reiche Wasseranlagen zur Taleinsenkung hinab, während das ansteigende Gelände gegenüber als Waldstatt, durchschnitten von Schneisen, ausgebildet ist. An diesen beherrschenden Mitteltrakt schließt rechts und links je eine weitere Anlage an. Wirtschaftsgebäude, Orangerie und Pavillonbauten dienen als Dominanten der dem Gelände wiederum gut angepaßten Gartenanlagen. Auch hier setzen weit in die Landschaft fortgeführte Alleen das Schloß mit der weiteren Umgebung in Beziehung.