Abb. 6. Großsedlitz. Aufgang zur Eingangsterrasse
Schloß und Orangeriegebäude kamen zuerst zur Ausführung. Doch schon im Januar 1723 ging das Besitztum an den König über mit der Bestimmung, daß Graf Wackerbarth über den eingetretenen Besitzwechsel Stillschweigen zu beobachten und die Vollendung der gesamten Anlage in seinem eigenen Namen, aber nach Angaben und auf Kosten des Königs, auszuführen hatte. Die Geheimhaltung des Kaufes dauerte bis 1726, in welchem Jahre die öffentliche Übergabe an den König erfolgte. In jene vier Jahre fällt die Herstellung der Gartenanlagen, wie diese in ihrer Grundform noch heute erhalten sind.
Abb. 7. Großsedlitz. Blick vom »Aha« nach dem Schloß
Was tat nun der König? Ihm konnte bei seinen königlichen Bedürfnissen das von Wackerbarth erbaute bescheidene Schlößchen nicht genügen. Er erkannte wohl auch mit seinem sicheren, künstlerischen Blick, daß das Schloß in seiner Anlage wenig glücklich in den Raum komponiert war, daß es bei seinen bescheidenen Abmessungen, es bestand nur aus Erdgeschoß und einem Stockwerk, nicht vermochte, der weitausgedehnten Anlage den beherrschenden Mittelpunkt zu geben. So ging er ans Um- und Neuplanen, und es ist naheliegend, daß er dazu die Künstler heranzog, mit denen er seine sonstigen Baupläne durchführte. – Pöppelmann, den bewährten Zwingerbaumeister und Zacharias Longuelune. Letzterer war 1664 in Paris geboren und herangebildet, gehörte zu dem Kreis von Künstlern, welcher sich am Hofe König Friedrichs I. von Preußen versammelt hatte und trat nach des Königs Tod 1703 in sächsische Dienste. Mit Longuelune fand in Sachsens Gartenkunst der großzügige Stil Lenôtres, des berühmten Schöpfers der Versailler Gartenanlagen, Eingang, und man darf wohl mit Sicherheit annehmen, daß ihm der Hauptanteil an der nunmehr vom König zur Durchführung gebrachten Großsedlitzer Gartenschöpfung gebührt, während Einzelteile der architektonisch-plastischen Arbeiten auf die Meisterhand Pöppelmanns zurückzuführen sind. Auch urkundlich ist bestätigt, daß Pöppelmann bei der Sedlitzer Planung tätig gewesen ist.
Abb. 8. Großsedlitz. Das neue Orangeriegebäude mit anschließendem Orangerieparterre
Nachdem der König es aufgegeben hatte, die Zwingeranlagen zu vollenden, wendete er sich mit großem Eifer der Sedlitzer Anlage zu. In der Sammlung für Baukunst an der Technischen Hochschule in Dresden und anderen Sammelstätten finden sich noch heute eine Reihe von Plänen, die des Königs korrigierenden Stift zeigen. Was letzten Endes das Ziel seiner Pläne war, zeigt ein Originalplan im ehemaligen Königlichen Oberhofmarschallamt in Dresden. ([Abbildung 2.])
Abb. 9. Großsedlitz. Seitlicher Blick auf das Orangerieparterre