Wir wenden uns mit ihnen zu den schattigen Ruheplätzen, welche zu beiden Seiten der Kaskade in einer Geraden angelegt sind. Ganz links erfreut unser Auge die kräftige Gestalt des farnesischen Herkules ([Abb. 18]), während bei der Kaskade Cybele, die Göttin der Erde, und Juno, die Himmelskönigin, wohl die beste Statue des Gartens, unseren Blick fesseln. Steinerne Ruhebänke laden ein zu näherer Betrachtung.
Abb. 16. Blick auf das große Kaskadenbecken, dahinter das Orangerieparterre
Nicht alle Statuen des Gartens besitzen höheren Kunstwert, aber durch ihre meisterhafte Aufstellung geben sie dem Garten reiches Leben. ([Abb. 19] und [20].) In der Aufstellung der Plastiken hatte man von Frankreich gelernt. Überall setzt der Künstler seine Statuen gegen den dunklen Hintergrund der Hecken, überall sieht man sich in Gesellschaft der alten Götter, nur sind diese aus den hellen reinen Höhen des Olymps herabgestiegen in die Sphäre der Kulissen und haben vielfach Gestalt und Ausdruck bekannter Mitglieder des Hofes angenommen. Sie gaben so reichen Stoff zur Belehrung und Belustigung. Die später angebrachten Namentafeln aus Blech sollte man bei einer Instandsetzung, die in vielen Fällen dringend nötig ist, beseitigen.
Abb. 17. Großsedlitz. Blick auf die »Wassertreppe«
(Aufnahme des Verfassers)
Wir aber lenken nun unsere Schritte weiter westlich nach der großen Allee, welche die Achse des ehemaligen Schlosses aufnimmt und in die Weite führt. Dieser Teil der Planung ist in den Anfängen stecken geblieben. Nach der unter August dem Starken vorgenommenen Umplanung sollte hier ein zweites Orangerieparterre entstehen, was aber aus Mangel an Mitteln nicht zur Ausführung kam.
Abb. 18. Großsedlitz. »Herkules«
So ist Großsedlitz ein Torso geblieben. Ihm fehlt der bestimmende Schloßbau, der die reiche malerische Gartenanlage zur Einheit zusammenschließt. Was aber in seinen Einzelteilen geschaffen worden ist, gehört zu dem Schönsten und Reifsten, was die Gartenkunst je hervorgebracht hat. Hier ist die Verfolgung des Zieles gelungen, das der bekannte Gartentheoretiker Daviler dahin bezeichnet, daß die größte Kunst bei der Anlage von Gärten in der Benutzung der Vorteile und Fehler des Grundstücks bestehe bei geringster Veränderung der Bodenlage. Die auf jene verwendeten Kosten seien doppelt mißliche, weil man den Erfolg nach Vollendung der Arbeit nicht sehe. So ist es in Großsedlitz gelungen, durch Benutzung vorhandener Bodengestaltung ein Gartenkunstwerk zu schaffen, dessen höchste Werte in den wundervollen Raumgestaltungen seiner Einzelteile liegen. Es ist auf dem Gebiete der Gartenkunst – etwa wie der Zwinger als Architekturschöpfung – ein einzigartiges Werk.