Man denkt zunächst – weil das jetzt so in der Luft liegt – die Krippe sei die Hauptsache. Die Weihnachtskrippe, wie sie sich in einer kernhaft volkstümlichen Schnitzerei, aus alten Holzschnittvorbildern hervorgewachsen, mit einer nonnenhaften Maria, anbetenden Rittern, Mönchen und Bauern im Schaufenster der Gemeinnützigen Verkaufsstelle auf der Schießgasse aufbaut. Tritt man aber ein – und es ist ohne Kaufzwang erlaubt und erwünscht, alle diese lieblichen Erzeugnisse sächsischer Volks- und Kleinkunst zu beschauen – so erkennt man: hier leuchtet in Regalen und Glasvitrinen, auf der Ladentafel und den Verkaufstischen solch eine Fülle des Köstlichen, daß man das »Spieglein an der Wand« um das Schönste befragen möchte, weil man sich selber keinen Rat weiß. Man hatte nämlich im stillen gemeint, einmal müsse der ständig Neues spendende Born versiegen. Aber nun sieht man staunend: unerschöpflich sind die Quellen der Heimatkunst ...
Krippe. 23teilig. M. 25.—
Zu haben im Heimatschutz, Dresden-A., Schießgasse 24
Natürlich bleibt man zunächst am Weihnachtlichen hängen. Die erzgebirgischen Lichterkränze! Aus der Deckenwölbung schweben sie herab, und auf dem weißen Rund des Holzrings ziehen schwarzröckige, silhouettenfeine Bergleute in ernster Reihe auf, oder das Heimatschutzengelchen, das mit seinem steif stehenden weißen Kleidlein und den runden Apfelbäckchen schon unsere Feldgrauen einst glücklich gemacht, müht sich im Kreis seiner Schwestern, die Lichtertüllen festzuhalten. Aber da ist ein ergreifendes, Neues und doch Urältestes hinzugekommen. Die »Bergspinnen«, die wundervollen, volksliedinnigen Weihnachtshängeleuchter, wie sie in unserem Volkskunstmuseum soviel Weihe und Heimeligkeit verstreuen, regen nun auch hier, vom Luftzug der etwa zufallenden Tür berührt, ihre vergoldeten hölzernen Glöckchenbehänge. Und nun kann man schon gar nicht anders, man muß erst einmal die erzgebirgische Spielzeugecke aufsuchen, weil das ja auch so etwas Ur-Weihnachtliches ist. Wie zu einer Bescherung reiht sich’s auf, farbkräftig und bodenständig, jeglicher schematischen Gleichförmigkeit entkleidet, persönlich durchfühlt bis ins kleinste. Hier hat Direktor Seifert in Seiffen seines Amtes gewaltet, naives Bauernkönnen künstlerisch beeinflussend, hat die Gänseliesel und die Schweinefamilie so lebenstrotzend und formenschlicht dabei gestalten helfen, daß auch die Großen sich am liebsten solch eine erheiternde Spielschachtel für die dunklen Winterwochen mit heimnehmen möchten. Es ist auch eine Puppenstube vorhanden; die hält sich aber ein wenig abseits, weil sie in aller kleinbürgerlichen Einfachheit zu kostbar ist mit ihren bemalten Möbelchen, ihren festen Stuhl- und Sofabezügen, den handgedrehten Schüsselchen in der angrenzenden Küche, – dieses winzige Abbild biedermeierlichen Behagens. Und es gibt fröhliche Hampelmänner und eine ganz urwüchsige Art Menschlein aus Stoff und Holz, die der Dresdner Kunstgewerbler W. Seifert geschaffen und die höchst putzig, eine drollige Charakterpuppensippschaft, auf festen Holzschuhen durchs Leben steigen. Ein Motiv, das die Leipzigerin Mußmann noch mehr ins Karikistische hineingesteigert hat. Und seltsame hölzerne Märchenvögel, von allerkleinsten Händchen leicht durchs Zimmer zu führen, auch von Seiferts Gnaden, heben den Kopf mit den listigen Augen und dem mächtigen Schnabel aus dem gedrungenen Leib; man würde sich keinen Augenblick verwundern, wenn die derbe Hülle sänke und ein schöner Königssohn den Flügeln dieses Fabelwesens entstiege.
Weihnachtsmänner
Zu haben im Heimatschutz, Dresden-A., Schießgasse 24
Engel-Musikanten. Stück M. 1.40
Zu haben im Heimatschutz, Dresden-A., Schießgasse 24
Nein, die großen Leute brauchen sich durchaus keinen Hühnerhof, keins dieser dauerhaften Eisenbahnzüglein mit Personenwagen und Kipploris mit heimzunehmen. Der gute Geist des Heimatschutzes bedenkt auch sie mit allerlei Nützlichem und Freundlichem aus den Handwerksstuben des Sachsenlandes. Da sind die Grünhainichener Spankörbe, mit gut verteilter Blumenornamentik bemalt, die Spanschachteln, auf denen wie auf den stämmigen Holztruhen ganze phantastische und doch mit allen Wurzelfasern im Heimatlichen wurzelnde Blumenwiesen erblühen. Gedrechselte Schalen und Dosen – wie hier die Wirkung des erlesenen Materials durch sorgfältigste Behandlung gesteigert ist! – bieten sich für Schreib- und Nähtisch als schmückende, zweckvolle Vervollständigung an, und die »Blaubeerenkinder«, die eigentlich ins Lager der Reiseandenken gehören und als solche jetzt ausgeführt werden dürfen, betteln geradezu um ein Plätzchen im Glasschrank daheim. Zum Holz aber gesellt sich der andere Stoff, darauf fast alles Kunstschaffen im Heimatschutz gegründet ist: die gebrannte Erde, der Ton. Die junge Hausfrau streichelt mit den Augen all die festen farbenmunteren Tassen und Kannen, die liebevoll entworfenen Lausitzer und Frohburger Ziergefäße mit den flammenden Herzen und den holden Röslein unter der blanken Glasur, schmückt schon in Gedanken den Tannenbaum mit dem zierlichen tönernen Behang, darin die Zeichen des Tierkreises so kindlich-einprägsam festgehalten sind, und stellt wohl auch schon solch einen vergnüglichen Kohrener Tonvogel, den der Künstler in irgendeiner charakteristischen Bewegung in die Form gebannt, für das Allerkleinste darunter.