Weihnachtsengel
Zu haben im Heimatschutz, Dresden-A., Schießgasse 24

Es ist eine unendliche Weihnachtsfreude, zwischen den Schätzen der Gemeinnützigen Verkaufsstelle einherzustreifen und sich dies und jenes als eine liebe Gabe oder einen ehrlichen treuen Hauskameraden für durchaus nicht überhohen Preis mitzunehmen. Man wandelt wie auf einem schönen Stern und steht doch mitten im Irdischen. Und aus allen Ecken hört man Weihnachtslieder.

Schaukelpferd. M. 24.—
Zu haben im Heimatschutz, Dresden-A., Schießgasse 24

Bücherbesprechungen

Cornelius Gurlitt, August der Starke. Zwei Bände. Im Sibyllen-Verlag, Dresden 1924.

Ein stattliches, gut ausgestattetes, mit reichem Bilderschmuck versehenes Werk von zwei Bänden mit insgesamt 872 Seiten Text liegt vor uns. Es ist also dem Verfasser für den großen Gegenstand, den er behandelt, auch der nötige Raum von der Verlagsanstalt bewilligt worden, um nicht nur das eigentliche Leben und Wesen seines Helden, sondern auch die wirtschaftlichen, staatlichen, geistigen und religiösen Zustände des ganzen Zeitalters ausführlich darzustellen. Und daß der Verfasser in alle diese Verhältnisse hineinleuchtet, zeigt schon die ins einzelne gehende Gliederung des Stoffes. Der erste Band enthält die fünf großen Abschnitte: 1. Der Prinz. 2. Fürstenrecht. 3. Der König. 4. Das Volk. 5. Der Staat; und dieser 5. Abschnitt z. B. gliedert sich wieder in die Kapitel: Regierung und Hof. Die Stände. Steuern. Geld. Geldgeschäft. Gewerbepolitik. Die öffentliche Meinung. Der zweite Band enthält die drei Abschnitte: 6. Die Kirche. 7. Industrie und Handel. 8. Die Kunst. In diesen Abschnitten und Kapiteln wird eine erstaunliche Fülle von Stoff vor uns ausgebreitet, so daß man dem Verfasser wegen seines Fleißes und seiner Belesenheit die Bewunderung nicht versagen kann. Freilich ist man verhältnismäßig selten in der Lage, die Herkunft und Zuverlässigkeit des Stoffes zu prüfen, da die Quellenangaben meist fehlen. Gurlitt sagt darüber im Vorwort: »Es schien mir dabei nötig, alle fachwissenschaftliche Belastung von dem Buche fern zu halten, um es nicht allzusehr auszudehnen.« Aus diesem Grunde hat Gurlitt seine Quellen in dem »zeitgenössischen Schrifttum« gesucht, das ihm die Sächsische Landesbibliothek in ausgiebigstem Maße zur Verfügung stellte, nicht aber in einem ausgedehnten Studium des noch ungedruckten in den Archiven ruhenden Stoffes. Trotzdem ist nicht zu verkennen, daß unser Wissen über August den Starken durch Gurlitts Buch erweitert worden ist, da er aus der Geschichte der Technik und der Künste – Gebiete, mit denen Gurlitt ganz besonders vertraut ist –, vieles zur Beurteilung Augusts des Starken heranzieht, was man in den bisher über diesen Fürsten geschriebenen Büchern nicht liest. Mit Recht weist er immer wieder (z. B. II, 158) darauf hin, daß »der Zug, durch Wissenschaft die Erfolge des Gewerbes zu heben« zwar schon vor August dem Starken in der sächsischen Kultur bemerkbar ist, aber gerade durch August den Starken und seine Verbindung mit Männern wie Leibniz und Tschirnhausen sehr stark entwickelt worden ist.

Bei der Fülle des Gebotenen hat sich da und dort auch ein Fehler eingeschlichen. So ist z. B. Hans Ernst von Knoch (I, 20 f.), der Erzieher Augusts, nicht erst gegen das Ende seiner Laufbahn geadelt worden, sondern entstammte einer altadeligen Familie aus dem Anhaltischen, auch war die Habsburgerin Maria Josefa, die Schwiegertochter Augusts, nicht »die erste Frau« aus kaiserlichem Hause in der Stammrolle der Wettiner (I, 12g) und die Academia Leopoldina naturae curiosorum (II, 147) hat nichts mit »Merkwürdigkeiten« zu tun. Man kann auch nicht allen von Gurlitt ausgesprochenen Urteilen beipflichten. Ob dem Prinzen August zu der Zeit, als er sich zur »großen Tour« anschickte, das Prädikat »im Auftreten schüchtern« zukam, kann man bezweifeln. Schilderte sich doch August selbst (I, 18) »als einen frischen Jungen, der nichts achtete« und stellte doch auch Liselotte v. d. Pfalz fest (I, 27), er habe »mehr Vivazität als sein Bruder.« Ganz verfehlt ist es, wenn Gurlitt (I, 126) Augusts Übertritt zum Katholizismus mit der Haltung des Herzogs Moritz im Schmalkaldischen Kriege auf eine Stufe stellt. Moritz hat nie daran gedacht überzutreten, er war in einer schweren Notlage eine kurze Zeit Bundesgenosse Karls V., wurde aber bald darauf der Retter des Protestantismus und eines unabhängigen Deutschlands. Auch die großen politischen Probleme, die August den Starken beschäftigten, sind nicht klar genug formuliert und leiden an einer gewissen Unsicherheit des Urteils, die sich da und dort in einem die Wirkung beeinträchtigenden Hinundher der Darstellung bekundet. Am höchsten nach Inhalt und Form sind die Kapitel zu bewerten, die über die wirtschaftlichen, gewerblichen und künstlerischen Verhältnisse des Zeitalters Augusts des Starken berichten. Hier kommt die einzigartige Erfahrung, die Gurlitt durch mehr als ein Menschenalter an Denkmalspflege und an Studium der Bau- und Kunstgeschichte Sachsens hinter sich hat, glänzend zur Erscheinung. Alles in allem ist Gurlitts Werk eine sehr beachtliche Leistung. Es ist nicht die Geschichte Augusts des Starken, auf die wir schon längst warten, die aber ohne gründliche und umfassende Archivstudien nicht geschrieben werden kann, wohl aber ist es ein unser Gesamtwissen über August den Starken vermehrendes und auf eine breitere Basis stellendes Werk und zugleich ist es ein Denkmal der Universalität des Strebens, zu dem sich sein Verfasser in einem überaus tätigen und erfolgreichen Leben durchgearbeitet hat.

Otto Eduard Schmidt

Für die Schriftleitung des Textes verantwortlich: Werner Schmidt – Druck: Lehmannsche Buchdruckerei
Klischees von Römmler & Jonas, sämtlich in Dresden – Photographische Platten »Sigurd« und »Satrap«, photographische, sowie kinematographische Aufnahme- und Wiedergabeapparate »Ernemann«