Deutsches Hygiene-Museum. Stube, zusammengestellt von O. Seyffert
Ferne sei es, die Tessenowschen Zimmer als die einzige Lösung hinzustellen. Ich bekenne von neuem, sie zeigten uns aber einen Weg zur Gesundung. Sicher kann man auch reichlichere Ausdrucksmittel als Tessenow wählen, wenn nur die Gesinnung eine ehrlich künstlerische ist.
Wie war nun der Eindruck auf das große Publikum? Vernichtend.
Das heißt, für das liebe Publikum.
»Das soll Heimatschutzstil sein? Hahaha! Hihihi!«
Ich weiß nicht, was Heimatschutzstil ist – gibt es überhaupt einen solchen? Ist nicht der gute Geschmack auch Heimatschutzstil? Denken sich die Leute noch immer Butzenscheibenromantik in moderner Aufmachung? Die Fensterläden mit einem Herzchen versehen?
Wir sehen, die Schnörkel, Tapeziererunkünste und die Süßigkeiten der Nippes haben die Leute allzusehr beeinflußt. Aber gerade unsere Zeit mit ihren Nöten muß uns doch ganz von selbst zur Schlichtheit führen.
Ich war strebend bemüht, solche Gedanken zu verbreiten, denn oberflächliche Urteile wurden vernichtend und schnell geführt.
Das letzte Bild bringt einen weiteren Beitrag zu unserem Thema. Für das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden hatte ich eine Stube zusammengestellt, wie sie nicht sein soll. Große Buchstaben verkündeten dies. Das war nötig, sonst hätte es wahrhaftig Menschen gegeben, die bei diesem Schreckensraum »ach, wie nett!« ausgerufen hätten. Waren hier in erster Linie auch hygienische, nicht ästhetische Gründe maßgebend, so vereinigte sich doch alles zu einem echten Bilde unserer Unkultur. Die drei Tage, an denen ich all die Sachen zusammengekauft habe, bleiben dunkle Punkte in meinem Leben. Ich habe mich geschämt, das Zeug zu erwerben und guckte beim Einkauf verstohlen nach links und rechts, ob meine Missetat von jemandem beobachtet würde.