Nun begann ein zäher Kampf mit den schwamm- und flechtenüberwucherten Holzriesen, die sich mit ihrem unterirdischen Wurzelreiche zu einem einzigen Wesen verschlangen. Die Siedler gingen sie an mit Feuer, Säge, Axt und Keil, daß die urhaften Holzleiber krachend stürzten; sie rangen mit Wurzeln und Felsen, legten Pfade durch moorigen Boden, entwässerten und wandelten so in schweren Wochen jungfräulichen Grund zur viehnährenden Wiese.

Mit festem Willen ermunterten die Starken die Verzweifelnden, sprachen von besserer Ernte, wenn das Neuland erst an ein Fruchttragen gewöhnt, zeigten, wie ein schützender Zaun zu bauen sei, damit der Hirsch die mühsam gezogene Saat nicht wieder zertrample, wußten das stolze Bewußtsein in den Mitringenden zu stärken: Wir haben einen Boden zum Geben gebracht, der noch keine Bauernarbeit lohnte. Die Erkenntnis ward starker Wille: Den geben wir nimmermehr her.

So geht das Mühen um kargen Ernteertrag noch heute droben im Gebirge von etwa achthundert Metern an. Wohl milderte jahrhundertlange Kulturarbeit die zerstörende Macht der Wetterkräfte, doch allzukurz ist die Reifezeit zwischen Schneeschmelze im Frühjahr und Neuschnee im Herbst. Die Hälfte der Jahrestage lasten und hasten Nebel über dem Kammland, kürzen selbst in Sommermonden die kostbaren Sonnentage. Hat künstliche Düngung den Boden auch gezwungen, die brotfruchttragende Ähre zu gebären, so bleibt diese Ernte doch gering. Es gilt auch zu eilen, daß der Hafer nicht versilbert oder die Kartoffeln auf dem Ernteschlitten heimfahren. Darum ist die Wiese mit dem Milchvieh des Häuslers Haupterwerb.

Milch und Butter trägt er in die Industrieorte am Südfuße des Gebirges. Am frühesten Morgen steigt er hinab, und er klettert schon wieder zur Hochfläche, wenn der Fremde seine Tageswanderung beginnt.

Für sein Vieh heißt es: Karge Nahrung, kurze Herbstweide hocken in ärmlichem Stalle.

Zwergwirtschaften vermag das Kammland nur zu tragen, und kommt der Winter einmal allzufrüh (1919!), dann geht ein Jammern durch die Siedlerhütten und darbende Menschen suchen nach Brot.

Beispielswirtschaften sind seit einigen Jahren auch im Hochland unseres Erzgebirges eingerichtet. Sachkundige Berater suchen mit strebsamen Landwirten Wirtschaftsverbesserungen einzuführen. Der Kleinbauer findet beim Beispielswirt manche Maßnahmen für Fütterung, Pflege und Zucht des Viehes, gute Raumnutzung und Reinigung des Saatgutes. Bei gemeinsamen Begehungen der dazugehörigen Felder wird er vertraut gemacht mit zweckmäßiger Flureinteilung, Bodenbearbeitung und Feldbestellung, Fruchtfolge und Düngung. Grundsatz ist: Nur solche betriebsverbessernde Maßnahmen einzuführen, die wenig Geld verlangen und sicheren Erfolg bringen. Der kleinste Bauer soll sie nachahmen können. Dank den Beispielswirten im herben Kammland! Sie machen ihre Nachbarn bodenfest.

Der Wald gibt Brot. Mutter und Kinder sammeln Wurzeln und Kräuter. Der Vater trägt die Heilung in die Stadt. Beeren und Pilze schafft er »wägeleweis’« hinab. Mit bescheidenem Erlös kehrt er müde heim.

Abb. 2. Frauen beim Buschgrasholen in der Nähe der Moorbodengrube bei Zinnwald