Das Innere der Syrauer Windmühle

Die Drehung des Daches mitsamt der Flügelwelle erfolgt durch Drehen einer Handkurbel, die auf eine Schneckenwelle aufgesteckt ist. Das zugehörige Schneckenrad treibt eine stehende Welle an, die am oberen Ende mit einem Stirngetriebe auf einen am Dachgebälk angeschraubten Zahnkranz wirkt, und mit diesem gleichzeitig und gleichmäßig Dach, Flügelwelle und Flügelkreuz dreht. Das ist doch fein, daß man auf diese einfache Weise die Flügel nach der Windrichtung einstellen kann! Jawohl, aber der Besucher darf nicht vergessen, daß sich der Turm und seine Eingangspforte nicht mit drehen, also: Achtung beim Hinaustreten aus der Mühle! – Wenn während der Anwesenheit eines Besuchers in der Mühle die Flügel so gedreht werden, daß sie an der Eingangspforte vorüberkreisen, so kann der achtlos und sorglos aus der Pforte Heraustretende eine recht unangenehme Überraschung erleben, nämlich die, daß ihm ein Windmühlflügel huldvoll und gnädig eine Ohrfeige von so elementarer Wucht verabreicht, wie ihm noch keine zuteil geworden ist. Also Vorsicht! Die Windmühlflügel verstehen durchaus keinen Spaß und kennen kein Ansehen der Person. Haben sie doch sogar dem edlen Ritter von der Mancha, dem tapferen Don Quixote, benebst seinem Streitroß, der Rosinante, einen derartigen Schlenkerich gegeben, daß Roß und Reiter weithin in den Sand flogen und übel zugerichtet wie tot liegen blieben. –

Von der Syrauer Windmühle genießt man eine prächtige Rundsicht. Als wir – ein Trupp Jungvolk – vor Jahrzehnten einmal dort oben mit Landkarten und Feldstechern das Vogtland musterten, sagte, mitten in unsere Unterhaltung hinein, der Windmüller: »Die Herren wollen doch nach Syrau? Ja? Na dann beeilen sie sich, daß sie trocken in den Gasthof kommen, denn in zehn Minuten haben wir Regen.« – Wir lachten hell auf, denn kein Wölkchen stand am Himmel, und Mutter Sonne meinte es gut, aber der Müller ließ sich nicht beirren, drängte zum Aufbruch, und so folgten wir endlich und gingen dem Dorfe und dem Zaumseilschen Gasthofe zu. – Wir gingen nicht lange langsam, wir gingen bald gar nicht mehr: In schärfstem Dauerlauf nahmen wir die Strecke bis zur Bahn und suchten unter dem Bogen, der den Fröbersgrüner Weg überspannt, Schutz vor der niederprasselnden Flut. Ei, wie hat der Windmüller Recht gehabt! Ei, wie kannte der Mann aus der »Torjauer Jechend« seinen vogtländischen Himmel! – Der Mann war eine Natur. Wie oft sagte er mir: »Ich bin hier oben König. Was ich rundum sehe, ist mein!« Dieser Geist fängt an, uns bedenklich zu fehlen. –

Der Freundlichkeit des Müllers verdanke ich längeren Aufenthalt unter dem Dach der Windmühle während eines Sturms, ein Kunstgenuß furchtbarster Art. Jawohl Kunstgenuß, denn die grause Schönheit der entfesselten Naturgewalt gemahnt an Michelangelo und Dante. Sie wirkt auf Menschen mit Menschennerven geradezu zermalmend und ruinierend. Ich warne Neugierige. –

Die Letzte im Vogtland! Die Syrauer Windmühle dürfte erhalten bleiben. Wer auf der Strecke Hof–Plauen zwischen Mehltheuer und Syrau links zum Fenster hinausguckt, kann die letzten Flügel einstiger Windmühlenherrlichkeit haspeln oder ruhen sehen: der Abschiedsgruß eines untergehenden Gewerbes! Das Alte stürzt, es ändern sich die Zeiten, und neues Leben blüht aus den Ruinen. Aber dieses »neue Leben« ist gar nicht so »neu«, wie es den Anschein hat, und wie wir uns nur allzugern einreden, oder allzuwillig einreden lassen. Leben ist ewige Wiederkehr, für uns Menschen, wie für unsere Werke. Über ein Weilchen werden auch die Windmühlen wiederkommen, wenn auch in anderer Form, wenn auch zu anderem Zweck, vielleicht als irgendein Windmotor zur Erzeugung von elektrischem Strom. Auf Wiedersehen dann!

Unsere Rohrdommeln

Von Rud. Zimmermann, Dresden

Mit Abbildungen nach Naturaufnahmen des Verfassers

Meine vogelkundlichen Studien in dem Oberlausitzer Niederungsgebiet während der letzten Jahre brachten mich in nähere Berührung auch mit zwei Vögeln, die ich zwar bereits früher schon kennen gelernt hatte, bis dahin aber noch nie in einer so ausgezeichneten und eingehenden Weise besonders auch an ihren Nestern beobachten durfte, wie hier. Es sind dies unsere zwei Rohrdommeln. Sie führen ja beide eine sehr versteckte Lebensweise, so daß sie auch der, der Teichlandschaften regelmäßiger besucht, meistens weniger und sicherlich seltener zu Gesicht bekommt, als so manche andere teichbewohnende Vogelart, während sie den vielen anderen, die Teichgegenden nicht oder nur flüchtiger kennen, in der Regel überhaupt unbekannte Erscheinungen sind. –