Aus der mittleren Bronzezeit (1500 bis 1200 v. Chr.) ist in [Abbildung 1] ein Grab von dem weitgedehnten Gräberfelde Bautzen-Kriegersiedlung dargestellt. In jener Zeit war man voll und ganz zur Totenverbrennung übergegangen. Wir finden daher in diesen Gräbern keine Skelette, wohl aber die verbrannten und nachträglich noch zerkleinerten Knochenreste der Toten. Aus einigen Merkmalen (Abnutzung der Zahnkronen, Größenverhältnisse einzelner Skeletteile) kann man noch Rückschlüsse auf Alter und Geschlecht des Toten ziehen.
Abb. 2. Wessel bei Milkel. Grab 10. Hinter der Buckelurne mit abgebrochenem Ösenhenkel auf dem Erdkegel der Spinnwirtel, durch den das Grab als einer Frau gehörig bezeichnet wird. Rechts bei der Grabsetzung (absichtlich aus kultischen Anschauungen?) zerbrochene Gefäße
In [Abbildung 1] sehen wir in der Mitte eine zerbrochene Deckschale, welche auf die Knochenurne gestülpt war, diese steht aufrecht darunter. Verschiedene Beigefäße stehen um diese her, sie sind umgestülpt und stellen wohl Topfgerät dar, welches der Tote im Leben benutzte und das ihm ins Jenseits mitgegeben wurde. Andere Gefäße wiederum stehen aufrecht, sie enthielten zur Zeit der Grabsetzung die Totennahrung, von der wir hin und wieder verkrustete Reste im Innern der aufrechtstehenden Krüge und Kannen vorfanden. Das Grab selbst ist stark beschädigt, es war einst mit Steinplatten bedeckt. Als man aber während der Kriegs- und Inflationszeit hier Kleingärten anlegte, rodeten die fleißigen Leute all die unbequemen Steine, die in zwanzig bis dreißig Zentimeter Tiefe den Wurzeln die nötige Nahrung versagten, aus, und zerstörten dabei die Gräber. Nur wenige kleinere Gefäße sind uns erhalten geblieben – [Abbildung 1]: die bauchige Henkeltasse links und die Tasse darüber. Die anderen Gefäße sind mehr oder weniger zerdrückt und müssen erst in mühevoller Kleinarbeit zusammengefügt werden.
Abb. 3. Niederkaina bei Bautzen. Grab 1. Links Urne mit Resten eines Kindes, in der Mitte Scherben von Beigefäßen, rechts Urne mit Resten eines Erwachsenen, rechts davor eine verschobene Wandplatte und darauf die nach rechts entführte Deckplatte der Steinkiste
Eine andere Art, das Geschlecht des Toten zu bestimmen, besteht in der Beobachtung der Beigaben. In [Abbildung 2] ist ein Frauengrab dargestellt, das als solches durch die Beigabe eines Spinnwirtels (auf dem Erdkegel hinter der Bildmitte) dargestellt ist. Die Knochenurne steht am weitesten links, Hausgerätschaften sind in östlicher Richtung davor aufgereiht. Die Bestimmung des Alters der Toten durch Beobachtung der Größenverhältnisse der einzelnen Knochenreste führte bei dem Grabe auf [Bild 3] und [4] dazu, das wir folgende Feststellung machen konnten: In dem schräg liegenden kleinen Gefäß auf der linken Bildseite (angebrochene Deckschale), lagen die Reste eines Kindes, dessen ungefähres Alter durch die Beigabe eines kleinen Fingerringes, der den Umfang der Fingerweichteile widerspiegelt, festgelegt ist. In der großen Knochenurne auf der rechten Bildhälfte war eine erwachsene Person beigesetzt.
Abb. 4. Niederkaina bei Bautzen. Grab 1. Links Urne mit Resten eines Kindes, schräg darüber die Deckschale. Rechts Urne mit Resten eines Erwachsenen auf der Grundplatte einer sonst weggeräumten Steinkiste
Die bezeichnendste Grabform der Lausitzer Zeit ist die Steinkiste: Um eine wagerecht liegende viereckige Grundplatte stellte man aufrecht vier Wandplatten, setzte die Knochenurne und etwaige Beigefäße in die so entstehende Steinkiste hinein und deckte das Ganze durch eine Deckplatte zum Würfel ab. Auf [Abbildung 3] sehen wir die durch den Pflug zerstörten Reste der Steinkiste auf der rechten Bildfläche bei der Urne mit den Überresten des Erwachsenen. In [Abbildung 4] sind die Wandplatten beiseite geräumt, die zerdrückte Urne ist freigelegt und steht auf der granitenen Grundplatte. An ihrer rechten Seite gewahrt man ein kleines Schälchen, das unter dem eingezogenen Leibe der Urne gerade noch Platz gefunden hatte. Nur in Gebieten, wo der schalig klüftende Granit ansteht, konnten regelmäßige Steinkisten errichtet werden. Aber die Steinkiste ist nicht die Regel. Vom selben Gräberfelde stammt das [Bild 5], welches eine Steinpackung darstellt, die allerdings durch Pflug und Rodung aus ihrer sonst völlig pflastermäßigen Ordnung gebracht ist.