Abb. 5. Niederkaina bei Bautzen. Grab 3. Vom Pfluge und durch frühere Waldrodung gestörte Steinsetzung
Eine andere Grabanordnung mit reicheren Beigaben an Tonware bildet sich beim Übergang zur jüngeren Bronzezeit in den nächsten Jahrhunderten aus. Das Grab, welches in [Abbildung 6] dargestellt ist, enthält nicht weniger als neunzehn Gefäße der verschiedensten Art. Auch dieses Grab ist durch den Pflug arg zerstört. Im Vordergrunde sieht man den Bodenteil der Knochenurne, deren gehenkelter Oberteil nach der Bildmitte zu verdrückt ist. Zwischen beiden liegen in einem wirren Haufen die Reste des Toten.
Abb. 6. Wessel bei Milkel. Grab 18. Vom Pfluge zerstört nach Abräumung der Steinsetzung darüber. 19 Gefäße sind beigesetzt
Aber nicht immer bettete man den Toten zur letzten Ruhe in einer Urne. In Diehmen bei Gaußig fand ich in einer flachen Mulde die Knochen zu unterst frei in der Erde liegend, darüber war die Holzkohleschicht, die von der Totenverbrennung herstammte, geschüttet. Nicht ein einziger Schorb war auf dieser Grabstelle des bronzezeitlichen Gräberfeldes Diehmen zu finden. Das Vorkommen derartiger Brandschüttungsgräber erklärt uns aber auch die merkwürdige Tatsache, daß umfangreiche Gefäßstellungen aufgedeckt werden, in denen nicht ein einziger Knochenrest gefunden wurde. Ein solches Schein- oder Ehrengrab ist in den [Abbildungen 7] und [8] dargestellt. In der Mitte stehen übereinander drei Gefäße, die zwei unteren aufrecht, das obere, welches stark zerdrückt war und von dem sich der Boden und ein Henkel in der Mündung des größeren Gefäßes zeigen, verkehrt. Ringsum aber waren sieben Krüge, Tassen und Kannen verkehrt aufgestellt. Gefühlsmäßig möchte man eine solche Grabstellung als Äußerung der Trauer ausdeuten.
Abb. 7. Wessel bei Milkel. Grab 2 G. Schein- oder Ehrengrab nach Wegräumung der Steinsetzung
Abb. 8. Wessel bei Milkel. Grab 2 G. In der Mündung des aufrechtstehenden Mittelgefäßes ein halber Boden und ein Henkel einer ursprünglich verkehrt darübergestülpten Henkeltasse