Noch eine letzte Form der Totenbestattung sei hier gestreift und durch Bilder erläutert. An der Südseite des Grabes, [Abbildung 9], sind deutlich die Gefäße in aufrechter bzw. verkehrter Stellung zu erkennen. Nach Norden zu aber, in der Blickrichtung des Beschauers, erstreckt sich eine dicke Lagerung von Holzkohlen und Steinen: Die Verbrennungsstelle (Ustrine). Hier war der Tote niedergelegt und über ihm ein Scheiterhaufen aus wagerechten Bohlen, die wir noch fanden, und Hitzesteinen zum Aufspeichern der Wärme, errichtet. Diese sollten dazu dienen, den zu verbrennenden Körper auszudörren, damit bei den wenig heizkräftigen Brennmitteln jener Zeit der Körper verzehrt werde. Die Hitzesteine sind infolge der starken und wahrscheinlich wiederholten Erwärmung kantig zersprungen. Um das Grab äußerlich zu kennzeichnen, wurde aber auch ein Grabmal errichtet: Man rammte einen Pfahl senkrecht in die Erde, an dessen oberem Teile man irgendwelche Kennzeichnung des Grabes oder des Toten, vielleicht auch seiner Verdienste, seiner sozialen Stellung und wirtschaftlichen Lage anbrachte. Der Oberteil des Pfahles ist naturgemäß restlos vergangen, aber in der Tiefe ist er unter Luftabschluß verkohlt (wärme- und lichtlose Verbrennung). In [Abbildung 10], die vom gleichen Standpunkte aus hergestellt wurde, zeichnet sich auf dem hellen Sandboden deutlich der Pfahlrest ab. In [Abbildung 11] ist er aus größter Nähe aufgenommen, während [Abbildung 12] seine letzten Überreste nach Abgrabung einer Zwanzigzentimeterstufe darstellt. Noch tiefer hinab kann man den Pfahl nicht verfolgen. Die hier auftretenden Kohlereste sind durch Regenwürmer noch weiter hinabgeführt, deren mit schwarzer Erde gefüllten Bohrlöcher man auf [Abbildung 12] unter Zuhilfenahme eines Vergrößerungsglases noch erkennen kann.

Abb. 9. Wessel bei Milkel. Grab 15. Gefäßstellung und anschließende Ustrine. In Richtung des Pfeiles zeichnet sich der dunkle Fleck des Pfahles ab. Der gefiederte Pfeil zeigt auf die Holzkohleschicht der Ustrine

Abb. 10. Wessel bei Milkel. Unter dem Grabe 15 zeichnet sich im Sandboden der dunkle Kohlefleck des Grabpfahles ab

Die vorgeführten Arten bronzezeitlicher Grabformen erschöpfen jedoch bei weitem nicht die zahlreichen Bilder, die bei genauem und wissenschaftlich einwandfreiem Graben sich im Erdboden zeigen. Eine erschöpfende Darstellung war auch nicht beabsichtigt. Ich glaube aber nachgewiesen zu haben, daß trotz des ungünstigen Erhaltungszustandes – sämtliche vorgeführten Gräber waren durch Rodung oder Pflugbau zerstört – eine genaue Untersuchung noch überaus aufschlußreiche Ergebnisse zeitigen kann. Die Lehre aber, die man hieraus entnehmen wolle, ist diese: Wer vorgeschichtliche Reste in der Erde findet und seien diese noch so zertrümmert und unscheinbar, der wende sich an den nächst erreichbaren Fachmann, der mit geschulter Hand selbst noch so trostlos erscheinende Reste heimischen Altertums retten und der Wissenschaft erhalten kann. Die Meldestellen für Sachsen sind: Leipzig, Grassi-Museum, Dr. Richter; Dresden, Zwingermuseum, Dr. Bierbaum, Fernruf 18020; Bautzen, Gesellschaft für Vorgeschichte und Geschichte der Oberlausitz zu Bautzen, Stieberstraße 36, Fernruf 3773.

Abb. 11. Wessel bei Milkel. Die Pfahlreste aus größerer Nähe. Grab 15

Abb. 12. Wessel bei Milkel. Ausklingen der Pfahlreste von Grab 15