Abb. 8. Hochrelief des Meisters H. W. in der St. Annenkirche zu Annaberg
Zum Schlusse möchte ich noch eine Vermutung über die Herkunft und den wesentlichen Wohnort des Meisters H. W. wenigstens aussprechen, wenn ich auch ihre Richtigkeit nicht beweisen kann. Der Meister H. W., unstreitig der bedeutendste sächsische bildende Künstler, der im Zeitalter des Übergangs von der Spätgotik zur Renaissance gelebt und gewirkt hat, ist so tief in dem Wesen des Bergbaus und seiner Technik verankert, daß ich ihn für ein Freiberger Kind halten möchte. Und wenn er das nicht sein sollte, so hat ihn vermutlich Ulrich Rülein, wie er den Rhagius und den Mosellanus herbeiholte, aus einer Bergstadt, etwa aus dem Mansfeldischen, nach Freiberg gezogen, wo er in seiner besten Zeit in enger Gemeinschaft mit Rülein den Mittelpunkt seines Schaffens fand. Will man Genaueres über sein Leben und Wesen und vielleicht auch seinen vollständigen Namen feststellen, so muß man zunächst die städtischen und bergbaulichen Akten des Freiberger Ratsarchivs und des Freiberger Bergamtes nach den Spuren dieser großen Persönlichkeit durchforschen.
Fußnoten:
[3] Man vergleiche mit unserem Kunstwerk z. B. das Bild der gemeinen Eselsdistel bei Leunis, Botanik II, S. 77.
[4] Die Quellen über sein Leben fließen sehr spärlich. Vergebens hat Prof. Dr. Knauth in Freiberg auf meine Bitte in den Akten, die das Bergamt aus den Jahren 1514 und 1518 über die Bergknappschaft besitzt, Rüleins Namen gesucht. Dagegen findet er sich im Ratsarchiv an drei Stellen im »Roten Stadtbuch« von 1488–1518 fol. 172v: der burgkmeister udalrich rulin … (a. 1514), S. 206 zweimal: udalrich rulin Burgkmeister (a. 1517) und ebenda ist auch von seinem Hause (jetzt Fischergasse 6b) die Rede (vgl. Täschner, Freib. Alt. Vereins-Mitt. 50, S. 71). – Außerdem erwähnt Weller in seinen Analecta II, S. 30 und 31, das vergebliche Auftreten Rüleins im Rate für eine bessere Besoldung der in Freiberg wirkenden Humanisten Rhagius und Mosellanus (dazu vgl. O. Clemen N. A. S. XLI, S. 135 f., und meine Kurf. Streifz. V, S. 79).
[5] Man darf allerdings im Katalog nicht unter dem Namen Rülein suchen, sondern unter dem Wort Büchlein; denn das Werkchen ist anonym erschienen und wir wissen nur durch zwei Zitate des Chemnitzers Georgius Agricola, De re metallica libri XII (Vom Bergwesen zwölf Bücher), in der Einleitung fol. 2v und pag. 54, daß Rülein von Calbe (Calbus Fribergius) der Verfasser des Bergwerkbüchleins ist. Am Schluß des älteren Dresdner Exemplars des »Bergwerksbüchleins« liest man: Getruckt zu Wormbs bei Peter Schöfern und volendet am fünfften tag April. M. D. XVIII.
Anton Günthers Leben und Schaffen
(Zu seinem 50. Geburtstag am 5. Juni 1926)
Von Alfred Venter, Chemnitz