Abb. 12. Am Horstsee
Den letzten Ausschlag für das Eingehen des Hubertusburger Unternehmens gab die entstehende Konkurrenz, die ihm über den Kopf wuchs. So taten sich neue Fabriken auf in Colditz, Rochlitz, Dresden, Pirna und Stegermühle (Nossen). Die Verwaltung der Fabrik ging noch durch mehrere Privathände, bis 1848 der Betrieb völlig eingestellt werden mußte. Die Fabrik hatte über hundert Familien dauernden Unterhalt geboten, dem Staate hatte sie nichts eingebracht.
Schon 1850 wurden die Gebäude der Steingutfabrik mit Geisteskranken belegt, und noch heute ist darin und in einigen etwas später erbauten großen Gebäuden die Hauptanstalt Hubertusburgs untergebracht, das Versorghaus für geisteskranke Frauen. Vor dem Kriege wurden über eintausend Frauen hier verpflegt, und man baute zur Erweiterung 1913 außerhalb der Mauern ein neues schönes Gebäude für unruhige Frauen und ein großes, modernen Anforderungen entsprechendes Küchengebäude. Auch wurde seit 1880 schon mehr und mehr das Hauptschloß zur Unterbringung der Frauen verwendet, das seit der Aufhebung des Militärmagazins leer stand. Später, von 1893 an, gestaltete man die Anstalt im Hauptschloß in eine Männeranstalt um, die vor dem Kriege etwa fünfhundert Insassen barg. Allmählich wurden auch alle Strafanstalten nach anderen Städten verlegt und die dadurch freigewordenen Räume als Krankenhäuser und Landeshospital eingerichtet.
So hat das einst so stolze Jagdschloß ein völlig anderes Gesicht bekommen. Die Gebäude sind die gleichen geblieben, aber bewohnt von Ärzten, Beamten, Pflegern und belegt mit armen, hilfebedürftigen Menschen. Nur die Kapelle noch legt ein beredtes Zeugnis ab von der einstigen Pracht. Auch heute noch wird sie als Gotteshaus verwendet, und Sonntags kommen aus weitem Umkreis die Katholiken zum Gottesdienste herbei.
Es sei uns vergönnt, noch einen Blick auf das Schicksal des Wermsdorfer Jagdschlosses zu werfen. Seine Bedeutung sank mit der Erbauung der Hubertusburg, und es wurde fernerhin nur zur Unterbringung von Jagdpersonal benutzt. Außerdem barg es, wie bereits erwähnt, die Amtsexpedition, seit 1785 »Justizamt Mutzschen zu Wermsdorf« genannt, und Wohnung des Amtsaktuarius. Das Gerichtsamt und ein ebenfalls 1785 eingerichtetes Rentamt wurden 1873 aufgehoben. König Albert, der auf Schloß Hubertusburg verzichtete, erhielt dafür Schloß Wermsdorf und gab es seiner ursprünglichen Bestimmung als Jagdschloß zurück. 1874 bis 1875 ward es durch den Hofbaurat Bernhard Krüger dazu hergerichtet, der umgebende Garten parkähnlich angelegt. Links der Einfahrt, gegenüber der Oberforstmeisterei, stand auf ehemaligem Gemeindeland ein Haus mit Stallgebäuden, das sogenannte Kommissariatsgebäude, etwa 1755 erbaut, das wahrscheinlich landesherrlichen Kommissaren zur Wohnung gedient hat. Dieses Gebäude ging zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts in Privatbesitz über. König Albert kaufte es 1879 und ließ es niederreißen. Dadurch wurde der Garten abgerundet und der Blick auf das Schloß freigelegt. 1902 wurde auf den Schuppen neben dem kleinen Westflügel ein Obergeschoß gebaut und dem Schloßaufseher als Wohnung angewiesen. Die Könige Albert und Georg sind alljährlich zum Jagen nach Wermsdorf gekommen und haben wochenlang im Schlosse gewohnt, während der letzte sächsische König, Friedrich August, nur sehr selten hierher kam.
Die Revolution von 1918 machte auch der Bestimmung dieses Jagdschlosses endgültig ein Ende. Die Möbel, die Jagdtrophäen usw. wurden entfernt und im Hubertussaale der Hubertusburg untergebracht und gingen zum Teil in Besitz der ehemaligen Königsfamilie über, oder wurden versteigert. Die leeren Räume wurden zu Wohnungen eingerichtet. Heute bietet das Schloß neun Familien Unterkunft, und nur noch äußerlich erinnert es an seine einstige Bestimmung, die es nun vielleicht für immer verloren hat.
Aber wie der Wald einst die Fürsten anlockte, so zieht er auch heute, und heute in besonderem Maße, die Menschen an, wenn sie Ruhe suchen vor dem Hasten und Treiben der Großstadt. Zu Tausenden kommen sie im Sommer, teils als Touristen, teils Genesung suchend in frischer würziger Waldluft. Viele auch, um sich im schön angelegten Horstseebade zu erfrischen. Wermsdorf ist durch die Nähe der Landesanstalt zu einem stattlichen Dorfe von über zweitausend Bewohnern herangewachsen. Seine wunderschöne Umgebung bürgt für seine gedeihliche Weiterentwicklung. Sie hat es bewirkt, daß Wermsdorf heute eine mit alljährlich steigender Frequenz aufgesuchte Sommerfrische ist.
Betrachtungen in einer Töpferei
Von Edgar Hahnewald
Denke an Persius’ Wort,