Und die Mütter riefen laut, sehr laut, den Kindern zu, und sie wollten nach den Kindern gehen, aber sie konnten nicht!
Der Pfeifer spielte immerfort. Er ging weiter und weiter, und die Kinder, groß und klein, folgten ihm. Sie waren ja alle so froh, denn die Musik war so wunderschön, daß sie tanzen und lachen mußten.
Aber der Pfeifer ging nicht zum Wasser. Ach nein, er ging weiter, viel weiter.
Endlich kam er mit den Kindern zu einem Berge. Der Berg war hoch, sehr hoch.
»Ach!« sagten die ängstlichen Mütter, »das ist gut. Der Pfeifer kann nicht spielen, wenn er den Berg hinan geht. Wenn er nicht mehr spielt, werden die Kinder hören, wenn wir rufen, und dann werden sie wieder in die Stadt kommen.«
Aber das war nicht so, denn auf einmal that sich der Berg auf. Da war eine wunderschöne Höhle! Der Pfeifer ging hinein. Er spielte immer lauter und schöner, und die Kinder, die noch immer tanzten und lachten, folgten ihm. Sie folgten ihm alle, und als sie alle in der Höhle waren, schloß (machte) sich der Berg wieder zu, und die armen Eltern sahen ihre lieben Kinder nie wieder.
Es waren keine Ratten und Mäuse mehr in der Stadt Hameln, aber es waren auch keine Kinder mehr, weder große noch kleine, und die Eltern weinten bitterlich.
Es war nur ein Kind in Hameln. Das Kind war lahm. Es konnte nicht tanzen, und es weinte auch und sagte immer: »Ach, warum konnte ich nicht mit den anderen Kindern gehen? Der Pfeifer spielte so schön, und die Musik sprach (sagte) von Rosen und Zucker, von Honig und Kuchen. Die Kinder haben gewiß viele schöne Rosen im Berge gefunden, und der Pfeifer giebt ihnen viel Zucker und Honig, und viele gute Kuchen. Ach, ich bin traurig, und ich muß immer weinen, und die anderen Kinder sind alle so froh.«
Das lahme Kind war traurig, die Mütter und Väter waren [es] auch, denn sie konnten ihre lieben Kleinen nicht mehr sehen. Alle die Einwohner von Hameln waren traurig und der Bürgermeister sagte:
»Keine Musik soll je in der langen Straße gespielt werden!« und er sagte auch, daß das Jahr tausend zwei hundert vierundachtzig (1284), als der Pfeifer nach Hameln kam, und die Kinder fortnahm, ein trauriges Jahr gewesen, das traurigste, das er je erlebt (gesehen) hatte.