»Ach!« sagte der Drache, »Undank ist der Welt Lohn!« und der Drache machte den großen Mund auf, um den Mann zu fressen.

Da bat der Mann so inbrünstig um sein Leben, daß der Drache endlich sagte: »Nun, guter Mann, wir wollen zusammen durch den Wald gehen. Wir werden bald jemandem (einem Manne) begegnen, der soll entscheiden (sagen), ob ich Sie fressen kann, da ich doch so hungrig bin und seit hundert Jahren nichts zu essen gehabt, oder ob Sie frei gehen sollen.«

Der Mann und der Drache gingen zusammen durch den Wald. Bald begegneten sie beide einem Hunde.

»Da ist ein Hund, er soll entscheiden!« sagten sie beide. Sie kamen zu dem Hunde und fragten: »Ist es recht, daß der Drache seinen Erlöser frißt, oder soll er vor Hunger sterben?«

»Das weiß ich nicht,« sagte der alte Hund traurig. »Ich habe meinem Herrn ehrlich (gut) gedient, seitdem ich ein sehr kleiner Hund war. Nachts habe ich immer gewacht, so daß niemand (kein Mann) seine Ruhe störe; aber jetzt, da ich alt bin und weder hören noch sehen kann, will er mich töten. Darum lief ich fort! Er ist sehr undankbar, aber Undank ist der Welt Lohn.«

»Ja, das ist der Welt Lohn. Niemand ist dankbar, so brauche ich auch nicht dankbar zu sein,« sagte der Drache zu dem Manne. »Ich habe Recht und ich will Sie sogleich fressen.«

Der Drache sprang nach dem Manne und wollte ihn fressen, aber der Mann bat wieder so inbrünstig, daß er endlich sagte: »Nun, wir wollen weiter gehen. Der Hund war blind (konnte nicht sehen). Vielleicht kann ein blinder Hund nicht gut entscheiden. Wir wollen durch den Wald gehen. Wir begegnen sicher jemandem, der besser entscheiden kann.«

Sie gingen beide weiter und begegneten bald einem alten, lahmen Pferde.

»Pferd!« rief der Drache, »Pferd, kommen Sie hierher und entscheiden Sie, ob ich meinen Erlöser fressen soll, oder ob ich vor Hunger sterben soll?«

Das lahme Pferd antwortete: »Nun, ich kann nicht entscheiden. Ich habe meinem Herrn ehrlich Jahre lang gedient. Ich habe den ganzen Tag gearbeitet, und jetzt, da ich alt und lahm bin, sagt der Herr, daß ich nichts mehr wert sei und daß ich sterben soll. Er ist sehr undankbar, aber Undank ist der Welt Lohn!«