Die alte Frau war jetzt so alt geworden, daß sie immer schlafen wollte, und wenn die Räuber fortgingen, war Heinrich so gut als allein. Oft sagte er zu dem Jüngling: »Ich möchte doch einmal mit Ihnen gehen, wenn Sie ein Licht nehmen und dort in die Finsternis gehen! Das Licht wird immer kleiner und kleiner, so klein, daß ich es endlich nicht mehr sehen kann.«
»Ach,« sagte der Jüngling. »Sie können nicht mitkommen. Bleiben Sie nur hier und machen Sie viele schöne Papierblumen.«
3. Der Einsiedler.
Eines Tages, als die alte Frau fest eingeschlafen war, und die Räuber alle fort waren, nahm der kleine Heinrich ein Licht und sagte zu sich selbst: »Ich will auch da in die Finsternis gehen! Ja, ich will gehen. Ich werde die Räuber bald finden!«
Er ging. Der Gang war sehr finster und sehr lang. Endlich kam er an einen Platz, wo zwei Gänge zusammenkamen. Da er nicht wußte, welchen Gang er nehmen sollte, nahm er den rechts, und ging wieder weiter. Aber das Licht war klein und endlich erlosch es.
Der arme kleine Heinrich konnte zuerst nichts sehen. Er war allein, und alles war so finster. Endlich aber sah er ein kleines mattes Licht. Er dachte: »Ach, da sind die Räuber, ich muß ihnen schnell nachlaufen.« Er lief schnell. Das Licht wurde immer größer, aber es war immer sehr matt. Endlich kam Heinrich dahin, wo der Gang ins Freie führte. Das Loch war klein, aber er kroch schnell hinaus und sah die Welt, die wunderschöne Welt zum erstenmal.
»Ach,« sagte er erstaunt. »Hier ist eine wunderschöne Höhle, viel schöner als die unsrige!«
Es war sehr früh Morgens. Das Kind sah Gras und Bäume zum erstenmal, und dann sah es auch den Sonnenaufgang.
»Ach,« sagte der kleine Heinrich erstaunt. »Sehen Sie doch die große Lampe! Und da ist viel Gras! Ich habe nie so viel Gras gemacht. Ich kann es auch nicht so schön machen.«