Da war der gute Einsiedler. Er saß unter einem Baume. Er hatte sein Gebetbuch in der Hand. Der Schäfer sagte ihm, wie er das Kind aus der Erde hätte kommen sehen, und wie das Kind nur von der Höhle und den Räubern spräche.
Der Einsiedler hörte alles, und als der Schäfer zu Ende war, sagte er ruhig:
»Ja, das Kind kann kein Räuberkind sein. Es ist zu fein geformt. Es muß das Kind reicher Leute sein. Die Räuber müssen es gestohlen haben, als es sehr jung war. Ich will das Kind hier in meinem Hause behalten. Hierher kommen die Räuber sicher nicht, denn sie wissen, daß ich weder Gold noch Silber habe, und daß sie hier nichts zu stehlen finden.«
Der Schäfer dankte dem Einsiedler, ließ das Lamm dem kleinen Heinrich und ging fort.
Heinrich spielte mit dem Lamme und der Einsiedler sagte langsam:
»Armes Kind, Sie sehen sehr blaß und unwohl aus, aber da Sie vielleicht schon lange in dem Berge wohnten, ist es sehr natürlich. Mein Kind, haben Sie weder Vater noch Mutter?«
»Ach ja,« sagte das Kind, »ich habe eine schöne Mutter. Sehen Sie, hier ist meine Mutter!« und das Kind gab dem Einsiedler das schöne Bild, das es mitgebracht hatte.
Der Einsiedler sah die wunderschöne Frau und sagte erstaunt: »Das ist eine wunderschöne Frau! Sie muß eine Königin oder eine Gräfin sein. Ja, sie ist die Mutter des Kindes. Das kann ich sehen. Das Kind hat dieselben Augen und denselben Mund! Nun, da wir das Bild haben, werden wir die Eltern des Kindes vielleicht finden können. Sie müssen sehr traurig sein, das schöne Kind verloren zu haben!«
Das Kind spielte lange mit dem Lamme. Endlich sah es die schönen Blumen in dem Garten des Einsiedlers, und sagte erstaunt: »Ach, wie haben Sie alle die schönen Blumen da gemacht? Sie haben mehr und schöneres Papier als ich!«
Der Einsiedler sagte: »Ich habe die Blumen nicht gemacht. Der liebe Gott hat sie alle gemacht!«