»Ach nein,« schluchzte das Mädchen. »Niemand kann mir helfen! Ich bin so unglücklich, weil ich meiner Herrin nicht Wort gehalten habe. Ich hatte ihr versprochen, ihren Sohn gut zu hüten. Aber als das Kind schlief, habe ich es einmal allein gelassen, um in dem Hofe mit anderen Dienern zu tanzen. Das Kind wurde gestohlen, und meine Herrin ist jetzt allein und so traurig! Ich werde nie glücklich sein, bis das Kind wieder nach Hause kommt, und ich habe schon sechs Jahre lang Tag und Nacht Gott gebeten, das Kind wieder heimzubringen.«

Der alte Einsiedler, der allem erstaunt zugehört hatte, sagte:

»Nun, mein Kind, vielleicht hat Gott Ihr Gebet endlich erhört! Sehen Sie dieses? Kennen Sie diese schöne Frau?« und der Einsiedler zeigte ihr das Bild.

»Ach ja, das ist meine liebe Herrin!« rief das Mädchen. »Und das ist das Bild, das mit dem Kinde gestohlen wurde! Sagen Sie mir, wie ist es in Ihre Hände gekommen?«

Der alte Mann sagte ihr, wie ein kleiner Knabe, sieben Jahre alt, aus dem Berge kam, und daß er das Bild »Mutter« nannte.

»Gott sei Dank!« rief das Mädchen. »Das Kind ist gefunden! Wo ist es, ich muß es sehen.«

Der Einsiedler zeigte ihr das Kind und sie sagte:

»Ja, ja, das ist der kleine Graf Heinrich von Eichenfels. Er ist wie seine schöne Mutter!« und sie küßte Heinrich und weinte vor Freude.

Dann sprach der Einsiedler noch lange mit ihr, und sie sagte, daß sie mit ihm gehen wolle, um das Kind nach Hause zu bringen.

»Es ist weit von hier,« sagte sie. »Drei Tage werden wir reisen müssen, aber kommen Sie jetzt zu meinem Herrn!«