„Wäre ich reich und mächtig, oder auch nur eines von beiden, wer weiß, welchen Einfluß ich gewonnen hätte auf das künstlerische Treiben und Wirken unserer Tage! Wäre ich nicht eben hinreichend begütert, in meinen Umständen durchaus geordnet, wer weiß, welch’ ein Künstler aus mir sich hätte hervordrehen lassen! Allein zum Gönner gewährte mir das Schicksal zu wenig, zum Künstler bei weitem zu viel. Denn es verdammt ein angeborner Wohlstand das Kunsttalent zum Dilettantismus, weil notwendig auf einer gewissen Stufe der Künstlerentwicklung das Urteil dem Vermögen vorauseilt, was die Hoffnung beugt, den Mut bricht — — eine Verstimmung, welche nur Künstler von Beruf überwinden, weil das Bedürfnis des Erwerbes sie dazu nötigt und zwingt. Ward ich freilich weder Künstler noch Gönner, so verschönte mir doch die Gabe zu sehen das Leben, gleich sehr in der Gegenwart und Erinnerung, gewann durch sie, was ich mündlich und in Schriften mitgeteilt, auch für andere einiges Interesse.“
Zeitweise verbrachte Otto mit anderen jungen Künstlern alle Sonntage auf dem Gute des Freiherrn, für dessen um einige Jahre ältere Nichte Lotte von Rumohr er seine erste ernstere Neigung faßte. Der Gegenstand dieser jugendlichen Schwärmerei blieb übrigens unvermählt und beschloß seinen Lebensabend als Stiftsdame im adeligen Fräuleinstift zu Plön. Viele Jahre später wird ihrer noch einmal Erwähnung getan, als sie das Bildnis einer Tante beim Künstler in Auftrag gibt.
Der Ernst des Lebens, von dem des Freiherrn Worte sprechen, trat denn auch in vollem Maße an Otto Speckter heran, ohne je seinen Humor noch seine angeborene und anerzogene tiefe Frömmigkeit beugen zu können.
Die andauernde Kränklichkeit und endlich der frühe Tod Erwins im Jahre 1835, dessen Dasein, nachdem es in wenigen hohen Werken wie ein Meteor aufgeflammt war, plötzlich gleich einem solchen im Dunkel verging, brachte der fröhlichen Familie große Trübsal.
Das Erlöschen des zehnjährigen Privilegiums Ende der zwanziger Jahre schuf dem Geschäft Konkurrenten in zahlreichen neu entstehenden lithographischen Anstalten. Dies trieb Otto dazu, sich mehr dem Bildnisfach zuzuwenden und er leistete darin Vorbildliches. So malte er 1830 gelegentlich der großen Naturforscherversammlung Adalbert von Chamisso, was ihm seitens des Dichters einen schmeichelhaften Brief über seine Leistung, „ein vollendetes Kunstwerk“, eintrug. Auch der Zeichnungen Speckters zu einigen seiner Gedichte tut er in diesem Schreiben Erwähnung und findet namentlich Worte der Anerkennung für das Bild „Der Bettler und sein Hund“, das der Idee, die er sich selbst von dem Stoff gemacht hätte, ganz entspräche.
Um Weihnachten 1834 übernahm Otto die Anstalt in gemeinsamer Leitung mit dem Vater. Das noch erhaltene Zirkular, in dem der alte Speckter dieses Ereignis bekannt gibt, weist folgenden Passus auf:
„Was die Ausführung von Kunstsachen anbelangt, so glaube ich mich auf die größern, aus unsern Pressen hervorgegangenen Arbeiten meines Sohnes beziehen zu dürfen. Es wird aber auch unser vereintes, eifriges Bestreben sein, geneigten Aufträgen andrer Art, wie sie der merkantilische und gesellige Verkehr unsres Platzes veranlaßt, durch möglichst saubere, prompte und billige Ausführung entgegenzukommen.“
Und Otto schließt sich dem an:
„Dem vorstehenden Cirkular meines Vaters erlaube ich mir nur hinzuzufügen, daß ich auch in dem neuen Geschäftskreis bemüht sein werde, mir das Vertrauen des Publikums zu verdienen, indem ich es mir zur besonderen Aufgabe machen werde, daß unser lithographisches Institut (das älteste, und längere Zeit das einzige, das im Norden von Deutschland errichtet war) mit den Anforderungen der Zeit und den neueren, technischen Erfindungen fortschreiten möge.“
Daran hat er es nicht fehlen lassen. Trotz tüchtiger Hilfskräfte lag doch die ganze Last der Arbeit auf ihm und oft mußte er die Nächte zu Hilfe nehmen, um die Fülle trockener und reizloser Berufsarbeit, welche die Tagesaufträge mit sich brachten, zu bewältigen.