Er selber hat wohl in Stunden des Kleinmuts, die keinem Künstler erspart bleiben, sich ausgemalt, wie seine Begabung auch hätte andere Wege einschlagen können. Allein schon sein religiöses Gefühl wird ihn dazu veranlaßt haben, diese Wende im Schicksal der Brüder als durch höhere Fügung bestimmt zu sehen.

Und so können wir Späteren, die die Dinge leidenschaftsloser betrachten, in Ottos Entschluß nur eine folgerichtige Entwickelung erblicken, eine Auswirkung des Gesetzes „nach dem er angetreten“. Während Erwins wenige Gemälde und zarte Stiftzeichnungen, von denen das beigefügte Jugendbildnis Ottos ein Beispiel gibt, dem Kenner wohl als seltene Köstlichkeiten gelten, in ihrer Anlehnung an fremde und historische Kunstart dem heutigen Zeitgeist jedoch noch fremder und historischer erscheinen als die Vorbilder, ist Ottos Werk der Kindheit seines eigenen Volkes zur Quelle dauernden Entzückens geworden.

Wenn es schon für einen Künstler keinen schöneren Ruhmestitel geben kann als diesen, so muß noch hinzugefügt werden, daß er den Erwachsenen gleicherweise ans Herz gewachsen ist, und daß seine Werke auch im Ausland sich weitester Verbreitung erfreuen und recht als der typische Ausdruck des Deutschtums gelten, wie es, durch seine besten Söhne verkörpert, im großen Weltbild sich darstellt.

Sein Genius führte ihn zur Griffelkunst, die von jeher für den deutschen Geist das eigentliche Gebiet war, auf dem er seine krausen Einfälle und rege Gestaltungskraft, sein Wesen „innerlich voller Figur“ erst recht zu voller Geltung bringen konnte.

Statt ein Vertreter eines nur die Oberschicht beherrschenden Stilideals ist er der Künder seiner Umwelt geworden, hat er der Nachwelt ein anschauliches Bild von den Daseinsformen seiner Zeit hinterlassen, dem Leben der Tiere innige Züge abgelauscht, und an ihnen mit herzlichem Humor kleine Schwächen und Lächerlichkeiten der Menschen gleichnishaft gedeutet, hat er endlich die geliebte norddeutsche Landschaft als Schauplatz und Hintergrund der menschlichen und tierischen Handlung in so bezeichnender Weise hingebreitet, daß erst aus ihrem Verständnis heraus das Verständnis für die Dichterwerke, die er damit schmückte, auch weiteren Kreisen des Vaterlandes nahegeführt wurde.

Wichtig dabei, ja die notwendige Voraussetzung für den Erfolg, war die Beherrschung der graphischen Mittel, durch die er seine Stoffe zur Anschauung brachte.

Und da ist es wieder der oft geschmähte Zwang der handwerklichen Schulung, der, ähnlich wie dies bei Menzel der Fall war, ihm für die Folge als Grundstock seines Könnens diente.

Ähnlich wie Menzel hat er auch in einem Blatte „Pegasus im Joch“ dem Gefühl des durch Unfreiheit bedrückten Musensohns Ausdruck verliehen.

Aber wir wissen heute nur zu gut, wie gerade die Brotarbeit der echten Begabung als Prüfstein der Bewährung dient und die Kenntnis der harten Lebenstatsachen der idealistischen Auffassung der Jugend erst Kraft und jene Schattentöne verleiht, von denen sich die Anmut leichten Spiels dann um so heiterer abhebt, während die Begabung, die es sich zu leicht werden läßt, meist in Schwächlichkeit und Dilettantismus, bestenfalls in eine ästhetische Spielart verfällt.

Dieser Anschauung hat auch der Freiherr von Rumohr Ausdruck verliehen und die Worte des trefflichen Mannes, der auf den Werdegang der beiden Brüder so bestimmenden Einfluß übte, mögen hier wiedergegeben sein: