Oft mag ihm das Entsagen gegenüber seinen Lieblingsbeschäftigungen zu viel geworden sein, aber sein hohes Pflichtgefühl angesichts des einmal übernommenen Berufes und seiner zärtlich geliebten Familie überwog alle selbstischen Bedenken. Er selber schreibt von sich:
„Obgleich es von Jugend auf mein Wunsch gewesen war, Maler zu werden, konnte ich durch die täglichen Arbeiten in der Steindruckerei nicht dazu gelangen, bis ich 1847 meine ersten Versuche bei Bottomley machte. Ich habe nie eine Akademie oder Zeichenschule besucht, ausgenommen einige Stunden Sonntag morgens bei G. Hardorff, habe mich überhaupt nie längere Zeit zum Studieren außerhalb Hamburgs aufhalten können. Meine Reisen nach Kopenhagen, Dresden, Prag, Berlin, England und Schottland kamen so zufällig und mußten in so kurzer Zeit in Begleitung andrer abgemacht werden, daß ich die Kunstschätze nur flüchtig sehen konnte. So will ich es hier aussprechen, daß es gewiß selten ein so freundschaftlich-uneigennütziges Zusammenleben von Künstlern gibt, wie ich es hier erfahren habe. Abgesehen von der Anregung, die ich durch meinen Bruder Erwin, Oldach, Milde, Asher, Morgenstern und Vollmer empfing, war es das Zusammenhalten der verschiedensten Künstler durch den Künstlerverein, welches auf mich wirkte, und namentlich standen mir Kauffmann, Gebrüder Gensler, Bottomley, Bonkoff, Schröder, Bülau, Luis, Häselich und manche andre mit Rat und Tat bei. Abgesehen von ihren Kunstwerken schreibe ich Kauffmann und den Gebrüdern Gensler den größten Einfluß auf die jüngern Künstler zu. In den letzten Jahren (1853) habe ich in Günther Genslers Atelier Studienköpfe gemalt. Das Porträt von G. Gensler im Besitz des Künstlervereins stammt aus dieser Zeit.“
Der hier erwähnte Künstlerverein war 1833 gegründet worden. Unter den Namen der Gründer finden wir außer den schon vielgenannten auch denjenigen Gottfried Sempers. Allemal am Wochenende fand eine Zusammenkunft im Ratsweinkeller unter dem Eimbeckschen Hause am Dornbusch statt, dessen Eingang der bekannte, später aus dem Brande gerettete Bachus beschirmte. Den lustigen Zechgelagen, aber auch den ernsthaften Erörterungen von Standesfragen, die hier gepflogen wurden, ist Speckter bis in seine letzten Jahre treu geblieben, ja es kann nicht verschwiegen werden, daß seine späterhin gar zunftmäßig strenge Auffassung der Vereinspflichten nicht wenig zur Verknöcherung des Vereinslebens und zum Austritt der jüngeren Mitglieder beitrug.
Anfänglich herrschte jedenfalls ein ungebundener Ton. Bei der nächtlichen Kurzweil war es auch wieder auf die Langmut der Nachtwächter abgesehen und ertönten die dunklen Straßen der alten Stadt von lustigen Weisen. Solche Ausspannung mußte der mühseligen Tagesarbeit als Gleichgewicht dienen, ebenso wie die Wasserfahrten, die Otto unternahm, bei denen er mitunter die Nächte im Freien zubrachte und die ihm im Verkehr mit dem Volke und in der Beobachtung seiner Sitten das ersetzten, was der Mangel eines geordneten Studiums ihn entbehren hieß. Pferderennen wurden stets besucht. Großes Interesse erweckte in den dreißiger Jahren ein Zirkus, und eine kleine Schwärmerei für eine schöne Kunstreiterin gehört gleichfalls in dieses Kapitel.
Neue Schwierigkeiten tauchten auf, als mit der Erfindung der Daguerreotypie das Bildnisfach ganz unter den Einfluß dieses neuen Verfahrens gebracht wurde und damit ein wichtiger Geschäftszweig verloren ging.
Doch hatte das Geschick es gefügt, daß ein anderes Arbeitsgebiet sich dem Künstler erschloß, auf dem er die ganze Fülle seiner Persönlichkeit ausschöpfen konnte.
Es war wohl 1832, als sich Friedrich Perthes an ihn mit dem Ersuchen wandte, die Fabeln des ihm befreundeten Pastors Hey zu illustrieren. Das erste Entstehen dieses später so berühmten Jugendbuches ging ähnlich wie die Schöpfung des Struwwelpeters von statten, wie wohl füglich jedes gute Kinderbuch nicht aus verlegerischen Gewinnabsichten, sondern aus persönlicher Anteilnahme am Kinderleben auch in Zukunft entstehen dürfte. Pastor Hey hatte die Verse zur Belustigung seiner eigenen Kleinen niedergeschrieben, als sie an den Masern krank lagen und ursprünglich gar nicht die Absicht gehabt, sie zu veröffentlichen.
Die Zeichnungen, die Speckter nun in Perthes Auftrage dafür schuf, brachten ihm über Nacht den wohlverdienten Ruhm. Ihretwegen wurden die Fabeln in alle Kultursprachen übersetzt und die Bilder, nicht immer mit der besten Sorgfalt und in den verschiedensten Techniken wiedergegeben, machten ihre Runde um die Welt.
Kein Wunder! Das Tierleben ist hier in seinen innigen Zügen so belauscht und dem Kindergemüt nahegebracht, daß diese Sprache allen Rassen und Völkern geläufig ist.
In Japan sind die Fabeln sogar zum Schulbuch geworden.