Bezeichnenderweise ist das Blatt mit den ziehenden Schwänen eines der schönsten unter all diesen lieblichen Märchengebilden. Ich weiß es nicht, ob unter ihnen die Illustration zur Geschichte vom fliegenden Koffer die erste bildhafte Fassung dieses Zaubers darstellt. Jedenfalls ist das aus sich selbst Bewegende des von den Lüften getragenen seltsamen Vehikels mit all der Selbstverständlichkeit gegeben, die wir als Kinder bestaunten und auch heute noch als durchaus wahr empfinden, wo wir doch als Miterlebende des Flugwunders das Staunen längst verlernt haben.
Die reizenden, im besten Sinne märchenhaften Zeichnungen fanden Andersens Anerkennung. Er schreibt dem Künstler darüber: „Von all den vielen Illustrationen für meine Märchen sind die Ihrigen die schönsten und genialsten, darum freut es mich sehr, daß eben Sie den Auftrag bekommen haben, für die neueste englische Ausgabe Bilder zu zeichnen.“ Der Dichter ist dann auch einmal im Hause zu Besuch und ergötzt die Hausgenossen durch seine Geschichte von der Nähnadel und der Stopfnadel, die er aus dem Stegreif zum Vortrag bringt.
Noch ganz im Banne zeitgenössischer Manier sind die Zeichnungen zum „Hildrian“, einem verschollenen und äußerst seltenen Buche, deren einige hier des historischen Interesses halber wiedergegeben sind. Sie zeigen die zwar feine, aber etwas akademisch glatte Linienstilisierung, die von Asmus Carstens’ und Bonaventura Genellis klassizistischen Kompositionen ausging, auch bezeichnend blieb für den nazarenischen Kartonstil jener Zeit, und von der wir in allen Frühwerken der bekannten Graphiker Beispiele finden, etwa in Schwinds Tafeln zu Bechsteins Faustus, in Rethels Lithographien zum Rheinischen Sagenkreis der Adelheid von Stolterfoth u. a. m.
Speckters schlichte Anmut spricht sich aber schon absondernd in diesen vom Zeitgeschmack noch beherrschten Blättern aus.
Ebenso in den zierlichen Stahlstichen zu Eberhardts „Hannchen und die Küchlein“. Beim Anschauen dieser reinlichen und ordentlichen Idyllen wird man unwillkürlich an die englischen Tassen und Schüsseln im Stile der „Willow dishes“ erinnert, jener Steingutware, die in blauem, rotem oder schwarzem Aufdruck idealisierte Schilderungen des ländlichen und häuslichen Lebens Old merry England’s schmücken, und die noch vor kaum einem Menschenalter an der ganzen Waterkant in jedem Hause zu finden waren, das durch seine Familienmitglieder in irgendwelcher Beziehung zur Schiffahrt stand.
Eine andere Aufgabe der Frühzeit war der Katechismus, den er im Auftrage des Rauhen Hauses ausstattete, einer Hamburger Erziehungsanstalt für verwahrloste Kinder, der sein Jugendfreund Dr. Wichern, der nachmalige Gründer der Inneren Mission, auch ein Mitglied des einstigen „Hundedanzes“, vorstand.
Es handelte sich hierbei fast ausnahmslos um eine Übertragung alter bekannter Gemälde religiösen Inhaltes in die graphische Form. Das einzige von Speckter selbst geschaffene Blatt, die Schöpfung darstellend, ist der Besonderheit halber hier wiedergegeben. Auch von den Illustrationen, die er für die Missionsschriften des Rauhen Hauses zeichnete, sind einige mit veröffentlicht. Sie heben sich von seinen anderen Arbeiten durch eine mehr derbe, volkstümliche Art der Ausführung ab, dem Holzschnittverfahren der Flugschriften entgegenkommend, die im Sinn der frühen Volksbücher gehalten sein sollten.
Der Realismus in der Darstellung des Figürlichen und Landschaftlichen findet verwandte Züge in den Zeichnungen Hermann Kauffmanns. Nur daß es bei letzterem bei der rein sachlichen Naturwiedergabe bleibt, während Speckter in höchst glücklicher Weise diesen Realismus nur als Regulativ für seine Phantasie benutzt und so in der Lage bleibt, seinen Bildern märchenhafter oder doch wenigstens erzählender Art die überzeugende Note, der Zauberwelt des Dichterischen die gesunde Farbe der Wirklichkeit zu geben.
Schon in ganz frühen Arbeiten findet sich dieser Hang zur Naturwiedergabe. Der Knabe zeichnet schon ganz bestimmte Plätze der landschaftlichen Umgebung seiner Vaterstadt.
So sind uns auch durch seine Hand eine Reihe von Ansichten des Hamburger Brandes im Jahre 1848 erhalten, die als Lithographien mit technischen Reizen behaftet, zum Teil höchst lebendige Vorstellungen dieses elementaren Ereignisses geben.