Er zeichnete die Blätter, nachdem er während des Brandes selbsttätig und durch sein heroisches Beginnen andre anspornend, aus den gefährdeten geliebten Kirchen an unersetzlichen Kunstwerken rettete was zu retten war, um schließlich vor der Allmacht der ungeheuren Katastrophe verzweifelt und erschöpft zusammenzusinken.
Auch diese Tat gibt ein anschauliches Bild seines ausgeprägten Gemeinsinns und seiner stets selbst zu persönlichen Opfern bereiten begeisterten Kunstliebe.
All die Beweise, die Speckter von Fall zu Fall für seine Befähigung zum Illustrator lieferte, trugen ihm 1852 den Auftrag des Verlegers Maucke zur Ausstattung von Klaus Groths „Quickborn“ ein, die allgemein für seine bedeutendste und beste Schöpfung angesehen wird.
So ganz kann ich diese Auffassung nicht teilen. Das Buch läßt in seiner Gesamthaltung die Einheit vermissen, die die meisten seiner übrigen Bücher auszeichnet.
Man kann das dem Künstler nicht so unmittelbar zum Vorwurf machen. Es liegt das in der Zeit begründet und hat gleichlaufende Nebenerscheinungen. Der Verfallstil in der Buchkunst hat um jene Zeit schon begonnen. Allerlei historisierende Anklänge an gotische Initialkunst und ähnliches mischen sich in die unbefangene Formvorstellung. Neben vignettenhaft frei gestalteten stehen bildhaft in feste Rahmen gefügte Darstellungen.
Die Bildmenge häuft sich mitunter und paßt mit der dünnen Schrift nicht recht zusammen. Die Verschiedenheit der Versform bringt schon Unruhe in das Gesamtbild, die durch Versuche, Bild und Schrift zu verbinden, wie es jene Initiallösungen anstreben, nur verstärkt werden.
Dieser Einwand soll nur etwas Grundsätzliches aussprechen, was man in sonstigen Abhandlungen über Otto Speckter vermißt, was aber zur Klärung der Stilfrage des Buchwesens von Wichtigkeit ist. Der „Buchkünstler“ Speckter, der in den Fabeln den lieblichen Bilderfries durch das obere Drittel des ganzen Buches führt, im „Gestiefelten Kater“ und in „Brüderchen und Schwesterchen“ die Illustrationen als Vollbilder sich ausbreiten läßt und nach ähnlichen Gesetzen auch seine übrigen Bücher ordnet, verläßt hier den Boden des nach einheitlicher Regel aufgebauten Buches.
Sieht man von diesem Umstand ab, so findet man alle Vorzüge seiner Kunst in verschwenderischer Fülle wieder, nur noch bewußter zur Anwendung gebracht als ehedem.
Sein eingeborener Natursinn veranlaßt ihn dazu, Holstein zum Zwecke vorbereitender Studien aufzusuchen. „Wer den Dichter will verstehn, muß in Dichters Lande gehn.“
Mit welchem schönen Erfolg er diesen Grundsatz anwandte, beweist ein Brief, den ihm ein anderer Dichter der Marsch, Theodor Storm, im November 1859 schrieb. Er lautet: