Das Holzschnittverfahren hatte den technischen Vorzug, daß der Druck der Bildplatten zugleich mit dem Typendruck erfolgen konnte, während die lithographischen Abzüge, auf dünnes Papier gedruckt, Seite für Seite in das Buch eingeklebt werden mußten. Errang so die bequemere Technik am Ende den Sieg über die umständlichere, so weisen doch die frühen Ausgaben gegenüber den späteren einen allerdings unbeabsichtigten Reiz auf, den diese nicht haben.
Die gleichen intimen Züge zeichnen die Radierungen in Rumohrs „Hundefuchsenstreit“ aus, ebenso die Lithographien zu Andersens Märchen und die Kupferstiche zum „Gestiefelten Kater“.
1845 versuchte ein Schriftsetzer Krake in Hamburg sich wieder im Holzschnitt. Speckter vertraute ihm einige Fabelbilder an und brachte ihn so weit, daß man ihn im Rauhen Hause anstellte, wo er die Holzstöcke zum Katechismus schnitt. Ihn ersetzten als Nachfolger ein gewisser Mackwitz und andere. Schuseil schnitt die Illustrationen zum „Quickborn“.
Während nun die Katechismusbilder, wie das im Charakter des Stoffes lag, eine mehr lineare Gestaltung erhielten und auch die Bilder zu den Missionsblättern volksbuchartig kräftig gehalten sind, wurde bei den Fabeln unwillkürlich versucht, die der Lithographie eigentümlichen Tonwirkungen auf dem Holzstock nachzuahmen, was den Stil der Bilder verwischte.
Auch den „Quickborn“ beherrscht jener für die Zeit bezeichnende Mischstil des Tonschnittes. Immerhin sind diese Blätter von vornherein in Hinblick auf die technische Ausführung erfunden, mit einer geschulten und bewußten Handwerklichkeit zu Ende gebracht und weisen die besonderen Reize auf, die wir ja auch in gleichzeitigen Werken Menzels oder Dorés zu schätzen wissen, indem wir sie als ein Ergebnis aus zwei verschiedenen Kunstbemühungen betrachten, des empfindenden Erfinders und des verständigen Vollenders, deren Wollen und Können sich in ihnen die Wage hält.
Der Speckter befreundete Kupferstecher Schröder stellte Anfang der vierziger Jahre nach Beschreibungen Versuche in dieser Technik an, deren erstes Ergebnis die Bilder zum „Gestiefelten Kater“ waren. Bei anderen Arbeiten wurde der Stahlstich angewandt, der von England aus sich der Buchillustration bemächtigte. Zu einem Stahlstecher Gray, der nach Hamburg übersiedelte, hatte Speckter Beziehungen. Die reizenden Vollbilder zu „Hannchen und die Küchlein“ sind in Stahl gestochen. Ihres an englische empfindsame Szenen erinnernden Stils wurde schon anfangs Erwähnung getan. Technische Reminiszenzen mögen unbewußt in diese Vorstellungen mit hineinspielen.
Das was uns am Lebenswerk Otto Speckters hauptsächlich interessiert, ist so eng mit der graphischen Technik verbunden, hat durch diese erst ihren historisch bestimmten Ausdruck gefunden, daß auch bei der Zusammenstellung der vorliegenden Auswahl fast ausschließlich nach diesem Gesichtspunkt verfahren wurde. Handzeichnungen sind bis auf eine — „Der Storch mit dem Kind“ — nicht aufgenommen.
Als Vorbilder für die Wiedergabe wurden, soweit sie erreichbar waren, die vortrefflichsten Ausgaben herangezogen. So sind bei den Fabeln teilweise Steinradierungen, teilweise Holzschnitte zugrunde gelegt. Die alte englische Ausgabe von „The charmed roe“ („Brüderchen und Schwesterchen“) erschien so hart und scharflinig, die noch vorhandenen Handzeichnungen so wenig in den Einzelheiten ausgeführt, daß der neuen Ausgabe von 1903 der Vorzug gegeben wurde, die in Lichtdruck eine etwas vergröberte und dabei weichere Wiedergabe der älteren lithographierten Blätter enthält.
So sehen wir denn, des Künstlers Gesamtwerk überschauend, wie sich auch in ihm die große Kurve der europäischen Kunstentwickelung abzeichnet, in der es mitschwingt. Von den klassisch gebundenen Anfängen, über die Romantik zum Realismus bis an jene verhängnisvolle Schwelle, hinter der im verstandesmäßigen Naturalismus, im Historizismus der schon vorbereitete Auflösungsprozeß seinen Fortgang nimmt, der die Tragik im Schaffen von Speckters Sohn Hans bestimmt. Daß das Werk Otto Speckters bereits vorher zum Abschluß kam, sichert ihm die Einheit der Wirkung, deren seltene Kraft wir an ihm wahrnehmen.
Daß vielerlei Einflüsse der wandelnden Zeit, auch solche technischer Natur, mit hineinspielen, bestätigt nur die bei aller Freiheit und Eigenheit im einzelnen bedingte Bindung, den Zwang unter das Gesetz der großen Weltbewegung, dem alle wahrhafte und menschlich echte Kunst unterworfen ist. Sie ist es, die den Typus bestimmt.