Und wo wäre ein günstigerer Boden für solche Kunst als bei einem Bürgertum, dem ererbte Wohlhabenheit und alte Sitte die Pflege einer schönen Geselligkeit und edlen Menschlichkeit zu einer Lebensnotwendigkeit gemacht hat?

Das ist der Grund, warum in diesem Aufsatz, der das Werk Otto Speckters wieder der Vergessenheit entreißen soll, so wenig von diesem Werk selbst und soviel mehr vom Leben seines Schöpfers die Rede ist.

Für das eigentliche Schaffen mag, beredter als Worte es können, die Auswahl der Abbildungen sprechen.

Wir haben gesehen, wie sein ausgeprägtes Hamburgertum Speckter nicht darin beeinträchtigte, ein guter Deutscher zu sein.

Wie weit die Entwickelung des neuen Deutschland die kühnen Hoffnungen des Künstlers bewahrheitete, das mag hier dahingestellt bleiben. Er würde wohl mit einiger Enttäuschung darauf zurückblicken, zumal wenn er wahrnehmen könnte, was die nunmehr auch verflossene Glanzzeit des jungen Reiches aus seinem geliebten Hamburg gemacht hat.

Prägt sich doch in der Physiognomie dieser Großstadt, wie überall, der Geist der selbstzerstörerischen, mechanistischen und materialistischen Weltauffassung aus.

Aber auch hierin kann die Specktersche Kunst ein Arkanum sein, kann sie die in die Irre gegangene Menschheit zur Selbstbesinnung und Neubeseelung führen.

Denn so das sittliche Dasein einer Epoche ausschöpfend, es in seinen bezeichnenden Formen fest umreißend, wird das Werk des Künstlers mehr als bloßer Schmuck des Lebens und unterhaltsames Spiel, wird es zum Bollwerk gegen die zerstörerische Flut des Rohstofflichen und Seelenlosen, mit der das Leben selbst gegen die Überfeinerung des Sinnlichen reagiert, wird es im endlichen Verfall einer Kultur zum Eckstein, auf dem sich in Zeiten der Wiedergeburt neues Kulturwerk gründen kann.

Wir erleben heute eine Zeit des Übergangs. Der Verfall ist in allen Künsten deutlich sichtbar geworden, und die europäische Welt rüstet sich zum neuen Aufbau.

Wer den Strömungen der Zeitläufte sich nicht verschließt, der weiß, daß heute ein junges Künstlergeschlecht am Werk ist, das ein hoher Idealismus beseelt.