Eine Pastorin Mutzenbecher, die Mutter eines der Freunde, war durch ihre derben Redensarten berüchtigt. Ihre Aussprüche „mir bebt noch der Bauch vor Ärger“ oder „wir wollten ausfahren, und da schickte der Satan eine Taufe“ sind kleine, der Nachwelt übermittelte Kostproben ihres urwüchsigen Humors, der den alten Speckter höchlichst ergötzte. Die Zusammenkünfte der jungen Leute fanden abwechselnd in deren Elternhäusern statt, und als man zweimal hintereinander bei ihr tagte, verbat sie sich das mit den Worten: „Alle Week will ich den Hundedanz aber nicht hebben.“

Seitdem hieß der Freundeskreis scherzweise nur noch der „Hundedanz“, was wiederum den alten Speckter dazu veranlaßte, die Kränzchen der jungen Mädchen den „Kattendanz“ zu nennen.

Die beiden Brüder verehrten zeitweilig zwei Töchter der Pastorin, Erwin die schlanke, ältere, deren Gestalt er häufig für seine altdeutschen Bilder verwandte, während der lustige Otto der jüngeren, mehr rundlichen und rotbäckigen Karoline den Vorzug gab. Als Erwin ihn einst ob seiner Neigung für die blauroten Bäckchen neckte, rief Otto, schlagfertig auf einen der altmodischen Laternenpfähle weisend:

So lang wie dieser Leuchtenpfahl

ist Erwin Speckters Ideal!

Während die Jugend so ihren Launen, unbekümmert um die äußeren Geschehnisse, lebte, wohl gar in diesen noch allerlei Anlaß zur Kurzweil fand, gingen die Zeitverhältnisse an den Älteren nicht spurlos vorüber.

Das blühende Kompagniegeschäft hatte unter der Franzosenherrschaft und Kontinentalsperre höchlich gelitten, und man entschloß sich, es aufzulösen. Das zwang den alten Speckter, sich nach einem neuen Tätigkeitsfeld umzusehen, das mehr in der Richtung seiner Neigungen liegen sollte. Dabei verfiel er auf den glücklichen Gedanken, eine lithographische Anstalt zu gründen.

Die Erfindung Senefelders war noch neu und bis dahin in Norddeutschland nicht eingeführt. Um die Mittel für das Vorhaben flüssig zu machen, mußte Speckter sich allerdings schweren Herzens dazu entschließen, seine geliebte Sammlung zu veräußern. Der Erlös betrug 18000 Mark.

Einer seiner Freunde, der Maler Herterich, den er als Mitarbeiter für seine Absichten gewann, reiste nach Süddeutschland, um sich dort mit dem Verfahren vertraut zu machen, Arbeitskräfte zu werben, Pressen und Steine einzukaufen, und im Jahre 1818 wurde das neue Unternehmen in Hamburg eröffnet, das für den künstlerischen Werdegang unseres Otto Speckter von so entscheidender Bedeutung werden sollte.

Man war zu dem Zwecke umgezogen in ein altes, etwas baufälliges Haus auf dem Valentinskamp, das ehemals dem italienischen Gesandten zur Residenz diente und weitläufig genug angelegt war, um den erhöhten Bedürfnissen zu genügen.